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Mutter von Yagmur bleibt über Weihnachten in U-Haft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Behörde will Entscheidung des Jugendamtes prüfen – doch zum Aktenstudium fehlte bislang die Zeit

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Gerade einmal fünf Tage ist es her, dass die dreijährige Yagmur aus Hamburg Billstedt starb. Gestern traf sich nun der Familien-, Kinder- und Jugendausschuss der Bürgerschaft zu einer Sondersitzung, um von den verantwortlichen Bezirksämtern Auskunft zu dem Fall zu erlangen. Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hat eine schnelle und lückenlose Aufklärung angekündigt, der Senat könne jedoch auf der Grundlage der bislang vorliegenden Informationen noch keine Bewertung des tragischen Falls vornehmen. Der Zeitraum von wenigen Tagen sei zu kurz, um den Sachverhalt aufzuklären. „Dass es nun so kurz nach dem Abschluss des Sonderausschusses zum Tod von Chantal erneut zu einem Todesfall kam, ist besonders tragisch“, so Scheele. Das elfjährige Mädchen war im Januar 2012 an einer Überdosis des Heroin-Ersatzstoffs Methadon ihrer drogensüchtigen Eltern gestorben. Finn-Ole Ritter (FDP) sprach von einem Déjà-vu-Erlebnis.

Am Mittwoch vergangener Woche ist die kleine Yagmur an einem Leberriss innerlich verblutet. Die 26-jährige Mutter spricht von einem Unfall. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben später jedoch, dass am Körper der Dreijährigen Hämatome und Spuren von Gewalt gefunden worden seien. Gegen die Eltern wurde Haftbefehl erlassen. Beide sitzen in U-Haft. Und ob die Mutter des toten Mädchens Yagmur unter Auflagen wieder auf freien Fuß kommt, darüber entscheidet das Hamburger Landgericht erst nach den Weihnachtsfeiertagen. Die Entscheidung werde am 27. Dezember erwartet, sagte Gerichtssprecher Alexander Witt gestern.

Pikant: Seit seiner Geburt stand Yagmur unter der Beobachtung des Jugendamtes. Sowohl die Ämter in Bergedorf, Eimsbüttel als auch Mitte waren in den drei Jahren zuständig. Zeitweise lebte das Mädchen bei einer Pflegefamilie. Im August dieses Jahres durfte das Mädchen wieder zu seinen leiblichen Eltern ziehen – obwohl es den Verdacht gab, dass es bei einem Besuch Anfang 2013 zu schweren Kopfverletzungen gekommen war.

Sowohl Abgeordnete als auch Vertreter des Senats zeigten sich fassungslos und erschüttert ob des Falls. „Es ist bereits das sechste Kind, dass in Hamburg seit 2004 zu Tode gekommen ist“, so Christoph de Vries, Abgeordneter der CDU. „Wir müssen das Kindeswohl an die erste Stelle stellen“, sagte auch die Grünen-Abgeordnete Christiane Blömeke. Strukturelle Veränderungen in der Betreuung durch Jugendämter und soziale Dienste seien dabei nur eine Komponente. „Das beste Computersystem ersetzt nicht das Gespräch und die persönlichen Besuche in der Familie“, so Blömeke. Erst Mitte 2012 ist in Hamburg ein neues Computersystem eingeführt worden, wodurch die verschiedenen Jugendämter, Träger und auch die Polizei besser miteinander vernetzt wurden.

Während die Abgeordneten um rasche Aufklärung bemüht waren, sparten sich die zuständigen Bezirksamtsleiter sowie Senator Scheele mit Verweis auf den Sozialdatenschutz detailliertere Informationen für den nichtöffentlichen Teil der Sitzung auf, was fraktionsübergreifend für Unmut sorgte. Daher konnten wichtige Fragen nicht geklärt werden – so auch, wer die Entscheidung zur Rückführung des Mädchens letztendlich getroffen hatte. Als im Mai 2013 die Entscheidung getroffen wurde, das Kind zurückzuführen, überlappte sich das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren mit dem Sorgerechtsverfahren im Familiengericht, so Andy Grote, Leiter des Bezirksamtes Mitte. Zudem seien die Eltern zeitgleich von Eimsbüttel nach Billstedt gezogen, wodurch die Zuständigkeit vom Bezirksamt Eimsbüttel zum Amt in Hamburg Mitte gewechselt sei. Bisher sei jedoch nicht die Zeit gewesen, die Akten ausreichend zu studieren.

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