zur Navigation springen

Mutter ließ Baby sterben – Bewährung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine dreifache Mutter ist gestern vor dem Landgericht Flensburg wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, die Frau bleibt damit auf freiem Fuß. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die heute 50-Jährige zwischen 2002 und 2004 in ihrem Haus in Großenwiehe (Kreis Schleswig-Flensburg) ohne fremde Hilfe ein Mädchen zur Welt brachte und sterben ließ. Nach Erkenntnissen der Rechtsmedizin lebte das Kind nur maximal 30 Minuten. Es starb, weil es nicht versorgt wurde.

Die Mutter soll das tote Mädchen nach der Geburt schließlich in ein Handtuch und einen Müllbeutel gewickelt und in einer Kühltruhe versteckt haben. Abschließend reinigte sie das Wohnzimmer, um alle Spuren zu verwischen. Ihr Ehemann und die drei Kinder schliefen zu dieser Zeit. Sie haben nach Überzeugung des Gerichts von den Vorfällen im Wohnzimmer nicht mitbekommen. Am nächsten Tag, so sagte sie in einer Vernehmung, habe sie wieder wie gewohnt funktioniert.

Entdeckt wurde die Kinderleiche erst 2012, die Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt bereits schon drei Jahre nicht mehr bei der Familie in Großenwiehe. Der Vater wollte die Truhe im Abstellraum abtauen, fand dabei die tiefgefrorene Leiche seiner Tochter und rief die Polizei.

Die Mutter hatte sich auf Befragen der Kripo sehr schnell zu der Verantwortung bekannt. Der psychologische Gutachter, Dr. Klaus Friemert, attestierte der Angeklagten eine erhebliche Persönlichkeitsstörung. Die Mutter habe die Schwangerschaft regelrecht ausgeblendet – so verschwendete sie bei ihrem Auszug aus dem Haus keinen Gedanken daran, die Babyleiche in der Truhe könne entdeckt werden.

Bei der Urteilsfindung legte das Gericht auf dieser Grundlage einen minderschweren Fall zu Grunde. Strafmildernd wirkten sich nach den Worten von Richter Michael Lembke zudem die psychische Ausnahmesituation kurz nach der Geburt aus, das frühe und umfassende Geständnis, der große zeitliche Abstand zur Tat und die Überzeugung des Gerichts, dass die Frau künftig straffrei durchs Leben geht.

zur Startseite

von
erstellt am 31.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen