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Orkan „Xaver“ : „Morgen ist es vorbei“: SH bleibt standhaft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schleswig-Holsteiner trotzen dem Sturm, viele sind vorbereitet und gelassen. Ein Besuch bei den Standhaften im Landesinneren.

Er wackelt. Tatsächlich. Bei den Orkanböen biegt sich auch ein altes Gebäude wie der Schleswiger Dom im Wind. Im Turm steht Küster Albrecht Buttmann und schaut durchs Fenster auf die kabbelige Schlei. „Das ist schon heftig da draußen“, sagt der 51-Jährige und wischt einige Tropfen Regenwasser weg, die durch das Fenster hereintröpfeln. Doch in einem ist sich Buttmann sicher: „Der Dom hat den letzten Sturm fast unbeschadet überstanden, das wird auch dieses Mal so sein.“

So standhaft wie der Dom sind gestern viele Schleswig-Holsteiner, die dem Orkan „Xaver“ im Landesinneren mit Böen an die 100 km/h trotzen. Und das, obwohl das Leben im Norden fast zum Erliegen kommt. Behörden und Ämter schließen ihre Pforten, Weihnachtsmärkte öffnen gar nicht erst, viele Buslinien sind eingeschränkt oder fahren wie in Nordfriesland oder Dithmarschen gar nicht.

 

Bei einem Unfall in Stockelsdorf bei Lübeck werden zwei Menschen leicht verletzt. Sonst geht bis zum Abend alles weitgehend glimpflich ab, auch als auf der A7 in Höhe der Anschlussstelle Tarp (Kreis Schleswig-Flensburg) ein Baum auf einen Lkw stürzt und wenig später eine Böe einen Transporter auf die Leitplanke weht. Immer mal wieder wird die A7 gesperrt, die Fehmarnsundbrücke ist zu – genauso wie die Störbrücke und die Kanalbrücke der B5 bei Brunsbüttel. Schiffe dürfen nicht in den Kanal fahren. Immer wieder ist die Rader Hochbrücke für den Autoverkehr dicht, sie wird automatisch gesperrt wenn die Böen Stärke zwölf erreichen. Auch zwei Kanalfähren und die Schwebefähre stellen den Betrieb ein, doch meist gibt es nur kleine Staus, wie am Rendsburger Kanaltunnel. Auf der Fahrbahn der gesperrten Röhre steht Betonarbeiter Oguzhan Ayyildiz aus Berlin. „Wir haben alles gesichert, was wegfliegen kann, aber so schlimm ist der Sturm ja nicht“, sagt der 36-Jährige dem die Kapuze um die Ohren flattert.

Ein paar Kilometer weiter in Rendsburg haben die Schulen wie im ganzen Land längst die Tore geschlossen. Allein ein paar Meisterschüler sind noch im Berufsbildungszentrum Rendsburg. „Wir sind freiwillig hier“, sagt Kevin Walter, der Straßenbaumeister werden will. Beim letzten Sturm „Christian“ habe er für die Heimfahrt nach Heide rund zwei Stunden gebraucht. „Das wird auch heute klappen“, sagt der 25-Jährige zuversichtlich.

Viele Menschen, mit denen man im Herzen Schleswig-Holsteins spricht, nehmen den Sturm gelassen. Es gibt wenige Schäden, kaum einmal umgefallene Bäume oder abgedeckte Ziegel, die Einsatzkräfte müssen seltener ausrücken als bei Orkantief „Christian“ vor einigen Wochen. Die meisten Reisenden sind auf die Wetterlage vorbereitet. Auch Bodo Schneidereit ist noch gut drauf, obwohl ihm auf dem Bahnhof in Schleswig der Regen ins Gesicht peitscht während er auf den verspäteten Zug nach Husum wartet. „Ich komme schon an“, sagt der 47-Jährige. Und das, obwohl die Regionalzüge eingeschränkt und mit Tempo 40 fahren und die Bahn den Fernverkehr am Nachmittag komplett einstellt.

Ein paar Meter weiter wartet Annchristin Thams auf den Schienenersatzverkehr, der sie nach Kiel zu ihrer Familie bringen soll. Eigentlich wollte sie am Morgen nach Sylt, „aber da ging ja gar nichts“. Angst vor dem Sturm hat die 20-Jährige keinen. „Hier im Binnenland ist es nicht so schlimm. Ich komme von Pellworm, ich weiß, was ein Orkan ist.“

Und doch atmen die Schleswig-Holsteiner auf, wenn das Unwetter weiterzieht. „Morgen ist alles vorbei“, meint Küster Albrecht Buttmann als er den Schleswiger Dom abschließt. „Hoffentlich.“

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