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Morgen beginnt die Katzenkastration

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Land stellt bundesweit einmaliges Pilotprojekt vor / 5000 Katzen im Norden sollen sterilisiert werden / Tierärzte verzichten auf Honorar

„Es ist ein Katzenelend.“ Das sagt die Staatssekretärin im Umweltministerium, Silke Schneider, über die Situation der rund 75 000 wild lebenden Katzen im Norden. Täglich werden es mehr, weil die meisten Tiere nicht kastriert sind.

Zur Eindämmung der Katzenplage hat das Ministerium mit Tierschützern, Kommunen und Tierärzten ein laut eigener Aussage bundesweit einzigartiges Pilotprojekt ins Leben gerufen. „Wir schaffen einen Fonds, in dem verschiedene Organisationen insgesamt 150 000 Euro einstellen, und aus dem Kastrationen von Katzen bezahlt werden. Dazu verzichten Tierärzte auf einen Teil ihres Honorars“, sagt Schneider. Morgen beginnt der erste Aktionszeitraum, der bis zum 14. November andauert und in dem Tierhalter Geld sparen können. Zwei weitere landesweite Kastrationsaktionen sind vom 15. Februar bis 31. März sowie vom 1. bis zum 30. September 2015 geplant. „Wir hoffen, dass wir in diesem Zeitraum 5000 Katzen kastrieren können“, sagt der Präsident der Tierärztekammer, Jens-Peter Greve.

Tierhalter können mit ihrer weiblichen Katze zum Tierarzt gehen, der das Tier kastriert. Jeder Halter bekommt aus dem Fonds einen Zuschuss von 25 Euro, zudem verzichtet der Tierarzt auf Honorar in Höhe von 25 Euro. Die Kastration kostet im Aktionszeitraum also 75 statt 125 Euro. Hartz IV-Empfänger bezahlen nichts, die Kosten für die Kastration werden komplett aus dem Fonds beglichen – egal ob männliche oder weibliche Tiere. Gleiches gilt bei wild lebenden Katzen, die von Tierschützern zu den Ärzten gebracht werden. „Wir machen das nach dem Windhundprinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sagt Greve, der wie die anderen Beteiligten hofft, dass das Projekt über mehrere Jahre dauert. Nur dann gebe es Aussicht auf Erfolg.

Das Land gibt 35 000 Euro, 20 000 der Tierschutzbund, 10 000 der Tierschutzverband, 50 000 trägt die Stiftung Naturschutz, 35 000 Euro eine Einzelspenderin. Künftig hoffen die Beteiligten auf noch mehr Geld, das Land hat fürs kommende Haushaltsjahr bereits 65 000 Euro bereitgestellt.

„Wir haben zudem möglich gemacht, dass die Kommunen auch ordnungsrechtlich Kastrationen für einen bestimmten Bereich anordnen können“, sagt Schneider. Allerdings sei das noch nicht geplant, erklärt Jochen Nielsen vom Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag. Er hofft, dass den Kommunen durch die Kastrationen ohne Zwang weniger Kosten für Fundtiere entstehen.

Doch der Tierschutzbund fordert eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Nur dann könne der Katzenplage Einhalt geboten werden. „Die jetzige Lösung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagt Holger Sauerzweig-Strey, Vorsitzender des Tierschutzbundes im Norden. „Wir hoffen, dass die Tierheime entlastet werden, denn die platzen aus allen Nähten.“

In Nordfriesland, wo es einen Vorläufer zu diesem Projekt gab, seien die Kosten, die durch wilde Katzen entstanden, nach der Aktion nicht mehr angestiegen, sagt Greve. Allerdings sei auch eines klar, ergänzt Sauerzweig-Strey: „Die Population der wild lebenden Katzen bricht auch bei flächendeckenden Kastrationen nicht sofort ein. Ein Tier lebt 14 bis 18 Jahre in Freiheit.“

Die Jäger jedenfalls haben immer weniger Interesse daran, Katzen zu jagen. In der vergangenen Jagdsaison erlegten sie im Norden 4000 Tiere, 1140 weniger als in der Vorsaison. Anders als etwa in Nordrhein-Westfalen sei auch deswegen in Schleswig-Holstein kein Verbot der Jagd auf Katzen geplant, sagt Schneider, die den Trend begrüßt. „Wir hoffen, dass die Kastrationen wirken und es bald weniger Katzenelend gibt.“


> gegenkatzenelend.schleswig-holstein.de

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erstellt am 13.Okt.2014 | 11:57 Uhr

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