Evangelische Nordkirche : Mit Laienpredigern gegen Pastorenmangel

Ob Berufstätige, Rentner oder Hausfrauen, jeder kann laut Nordkirchen-Sprecher Mathias Benckert Laienprediger werden.
Ob Berufstätige, Rentner oder Hausfrauen, jeder kann laut Nordkirchen-Sprecher Mathias Benckert Laienprediger werden.

In der Nordkirche übernehmen immer mehr Prädikanten Gottesdienste. Ein Grund ist die in wenigen Jahren kommende Welle von Pensionierungen.

shz.de von
23. November 2013, 00:33 Uhr

Lübeck-Travemünde | Die evangelische Nordkirche will mit einem neuen Prädikanten-Gesetz ehrenamtliche Laienprediger besser fördern. Dies beschloss gestern die Landessynode in Lübeck-Travemünde einstimmig. Momentan gibt es 200 Laienprediger in der Nordkirche, rund 150 davon in Hamburg und Schleswig-Holstein, so Sprecher Mathias Benckert. In Ausbildung sind derzeit 24 Anwärter, 2015 sollen weitere 24 damit beginnen.

Ein Grund ist die in wenigen Jahren kommende Welle von Pensionierungen und der – mangels ausreichendem Nachwuchs – drohende Pastorenmangel, sagte Benckert. Auf der anderen Seite beobachte man seit einigen Jahren eine deutliche Zunahme an Bewerbungen für die Laienprediger-Ausbildung. „Wir machen sozusagen aus der Not eine Tugend und forcieren dies, um die Pastoren zu entlasten.“ Benckert erläutert Letzteres anhand eines Beispiels: „Wenn ein Pastor mit einer Gemeinde pro Jahr 60 Gottesdienste leistet, so kann ein Prädikant davon in der Regel zwölf übernehmen. Das sind 20 Prozent.“ Einzelne Prädikanten würden allerdings auch noch wesentlich mehr Einsätze bestreiten. Es sei im übrigen ein „urevangelisches Prinzip“, dass auch gebildete Laien den Glauben weitertragen sollen.

Ob Berufstätige, Rentner oder Hausfrauen, jeder kann laut Benckert Laienprediger werden. „Man muss dazu kein Akademiker sein. Wichtig sind viel mehr soziale und kommunikative Kompetenzen und keine Angst vor den Menschen. Man sollte mitten im Leben stehen.“

Die Unterschiede zwischen der Ausbildung zum Pastor und jener zum Laienprediger sind groß. Während Pastoren erst nach einem fünf bis sieben Jahren langen und umfangreichen Theologiestudium sowie zweieinhalb Jahren Vikariat eine Stelle übernehmen, dauert die Ausbildung der Prädikanten nur drei Jahre. In der Zeit werden drei Studienwochen, zwölf Wochenenden und ein Abschlussgottesdienst absolviert. Zudem finden regelmäßige Treffen mit einem Mentor statt. Gelernt wird unter anderem das Grundwissen zum Alten und Neuen Testament sowie über Symbole, Gottesbilder, des Weiteren Predigtlehre, -vorbereitung, Liturgie und Ethik. „Eine Predigt ist ja kein Dahinplappern sondern intellektuelle Arbeit, es ist uns natürlich wichtig, dass der Betreffende sich kritisch mit dem Glauben und den Texten auseinander setzt“, so Benckert. „Der Anspruch an einen Pastor gilt in abgespeckter Form auch für einen Prädikanten.“

Davon abgesehen, dass seine Arbeit jenseits einer Aufwandsentschädigung nicht bezahlt wird, ist das Aufgabenspektrum des Laienpredigers im Allgemeinen begrenzt. „Der Fokus liegt ganz klar darauf, Predigten zu schreiben und zu halten“, so Benckert. Bei Bedarf könne ein Prädikant nach vorheriger Festlegung aber auch Taufen, Trauungen oder Beerdigungen vornehmen. „Ein Laienprediger wird jedoch nie einen Pastor vollständig ersetzen können.“

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