Selbstversuch im ÖPNV : Mit dem Bus von Bokel nach Wedel

Von Bokel nach Wedel: Tour oder Tortour? Redaktionsmitglied Jakob Koch hat's ausprobiert.
Von Bokel nach Wedel: Tour oder Tortour? Redaktionsmitglied Jakob Koch hat's ausprobiert.

In einem Selbstversuch hat Redaktionsmitglied Jakob Koch die Busverbindungen im Kreis Pinneberg getestet und dabei bewusst auf den Zug und eine Vorplanung verzichtet. Das Ergebnis: Mehr als ein Drittel der Zeit wartete er an Haltestellen.

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05. Februar 2014, 06:00 Uhr

Bokel/Wedel | Es war ein Selbstversuch mit ungewissen Ausgang. Mein Ziel: mit dem Bus vom Norden des Kreises Pinneberg in den Süden zu fahren, knapp 37 Kilometer kommen dabei auf kürzester Strecke zusammen. Das Ergebnis: Die Tour von Bokel bis nach Wedel dauerte satte dreieinhalb Stunden – vor allem mit langen Wartezeiten.

14.30 Uhr: Start an der Bushaltestelle „Denkmal“ in Bokel. Es ist kalt, das Thermometer zeigt minus fünf Grad Celsius an. Ich warte als einziger Fahrgast an dem kleinen grünen Wartehäuschen. Drei Minuten später sehe ich einen Bus auf mich zukommen – es ist die Linie 6542, die einzige, die an dieser Haltestelle stoppt.

Ich frage den jungen Busfahrer, wie ich am besten nach Wedel komme. „Ungewöhnlich, aber okay, das müssten drei Ringe sein, macht 4,90 Euro“, sagt er. Er rät mir, über Barmstedt, Ellerhoop und Pinneberg nach Wedel zu fahren. Doch er warnt mich vor: „Es könnten dabei lange Wartezeiten auf Sie zukommen.“ Als ich dem Busfahrer einen 20-Euro-Schein hinhalte, schaut er mich ungläubig an. „Das ist hier schon fast der Todesstoß – doch Sie haben Glück, ich kann Ihnen was rausgeben“, sagt er. Glück gehabt, das nächste Mal zahle ich passend.

Kurz darauf fahren wir über Lutzhorn in Richtung Barmstedt. Ich bin der einzige Fahrgast. Die Fahrt verläuft durch ländliches Gebiet – mit verdächtig schmalen Straßen. Doch für den Busfahrer, der seinen Namen nicht im Artikel lesen möchte, kein Problem: „Einheimische Trecker- und Lkw-Fahrer machen mir Platz – nur wenn mir Ortsfremde entgegenkommen, kann’s eng werden“, sagt er. Und tatsächlich: Auf der Strecke kommt uns eine Trecker-Kolonne entgegen. Wie selbstverständlich machen sie unserem Bus Platz.

15 Uhr: Ankunft an der Geschwister-Scholl-Schule in Barmstedt. „Sie müssen jetzt 40 Minuten warten – aber fragen Sie mal in dem Nachbar-Supermarkt nach einem Kaffee“, gibt er mir freundlicherweise als Rat mit auf den Weg. Bei den Minusgraden eine willkommene Aufwärmung.

15.40 Uhr: Die Linie 6543 fährt die August-Christen-Straße hoch. Schon von weitem sehe ich: Der Busfahrer ist derselbe, der mich bereits nach Barmstedt gefahren hat – nur seine Buslinie ist jetzt eine andere. „Willkommen zurück“, begrüßt er mich. Auf der Fahrt nach Ellerhoop kommen wir ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er lange im Hamburger Stadtgebiet gefahren. Doch im ländlichen Gebiet fahre er lieber. „Die Leute sind hier einfach entspannter. Außerdem erlebt man hier am Wochenende keine Aggressionen alkoholisierter Fahrgäste“, sagt er. „Auch die Schüler vom Dorf sind schon ein anderer Schnack. Der Lärmpegel ist geringer. Außerdem passen die älteren darauf auf, dass sich die jüngeren benehmen.“

16.05 Uhr: Wir halten in Ellerhoop an der Haltestelle „Thiensener Weg“. „Das nächste Mal holt Sie aber ein anderer Busfahrer“, sagt er. Warten muss ich trotzdem: 35 Minuten. Bei der Kälte kein Vergnügen. Ich harre unter dem grünen Metall-Unterstand aus.

16.40 Uhr: Die Linie 185 fährt von dem nahegelegenen Busparkplatz los. Mittlerweile hat sich der 16-jährige Schüler Cedric zu mir gesellt. Der Barmstedter hat in Ellerhoop eine Freundin besucht und will nun über Pinneberg und Elmshorn nach Hause fahren. Während der Tour nach Pinneberg sprechen wir miteinander. „Ich fahre gern mit dem Bus, aber ich finde die Preise für Schüler zu hoch“, klagt der 16-Jährige. Ein Monatsticket komme für den Schüler nicht infrage, weil sich auch dieses finanziell nicht lohne.

17.13 Uhr: Nach der Tour der Linie 185 durch Kummerfeld kommen wir am Bahnhof in Pinneberg an. Cedric verabschiedet sich hastig, weil er seinen Zug nach Elmshorn erwischen muss.

17.27 Uhr: Ich warte noch einige Minuten bis es mit der Linie 594 in Richtung Wedel weitergeht. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Stationen ist hier am Drehkreuz des Kreises Pinneberg richtig viel los. Doch auf der Fahrt ist es fast genauso ruhig wie auf den bisherigen Fahrten – und das obwohl der Bus proppevoll ist. Die Fahrgäste lesen, schauen auf ihr Smartphone oder haben die Augen zu.

18 Uhr: Ankunft am S-Bahnhof in Wedel. Ich habe es geschafft: Nach fast dreieinhalb Stunden und viel Warterei ist mein Ziel endlich erreicht.

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