Minister will mehr Bio-Landwirte

 Beackert den Biolandbau:  Robert Habeck. dpa
Beackert den Biolandbau: Robert Habeck. dpa

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03. Juni 2013, 11:50 Uhr

Rendsburg/Kiel | Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt seit Jahren. Auch in Schleswig-Holstein. In vielen Orten eröffnen Bio-Supermärkte, die großen Discounter und Supermarktketten haben zum Teil eigene Abteilungen, in denen sie diese Produkte verkaufen. Bei der Fläche, auf der Ökolandbau betrieben wird, lag Schleswig-Holstein 2011 mit einem Anteil von 3,5 Prozent allerdings auf dem vorletzten Platz. Das hat verschiedene Gründe.

Einer, der in Schleswig-Holstein auch in der Produktion mehr Bio möchte, ist Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): "Ich möchte die ökologisch bewirtschaftete Fläche zunächst auf sieben Prozent verdoppeln." 2010 und 2011, noch unter alter Regierung, ist sie zwar erstmals leicht zurückgegangen. Insgesamt hat sich die Fläche, auf der ökologisch produziert wird, aber seit 1998 von 15 932 auf 37 065 Hektar 2012 mehr als verdoppelt.

Nach Angaben des Bauernverbandes Schleswig-Holstein gibt es insgesamt rund 950 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche im Norden. Dennoch, "bei den Berufskollegen setzt sich die Akzeptanz seit den letzten Jahren auch immer mehr durch", meint Jens Maßloh, Geschäftsführer bei Bioland Schleswig-Holstein. Umfragen zeigten, dass immer noch ein großes Potenzial für Umsteller bei den Landwirten vorhanden sei. "Notwendig ist aber Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen. Landwirte brauchen eine Perspektive, weil die Umstellung mit zwei bis drei Jahren relativ lange dauert." Bis dahin müssen die Betriebe schon nach Öko-Richtlinien produzieren, können ihre Produkte aber noch nicht als Bio-Produkte vermarkten.

Dafür wird eine Umstellungsprämie gezahlt. Diese soll laut Landwirtschaftsministerium jetzt von 150 auf 280 Euro pro Hektar erhöht werden, die Beibehaltungsprämie auf 180 Euro je Hektar Acker und Grünland steigen. Unter der CDU-FDP-Regierung war Schleswig-Holstein als einziges Bundesland aus der Beibehaltungsförderung ausgestiegen.

Doch nicht nur die Förderung spielt eine Rolle für den geringen Anteil an Ökoanbaufläche. So sind laut Maßloh die Preise auch für konventionelle Produkte wie Getreide gestiegen. "Umfragen haben gezeigt: Wenn konventionell gut verdient wird, ist der Druck nicht so hoch, auf Bio umzustellen." Hinzukommen das kühle Klima im Norden mit einer verkürzten Vegetationszeit und die Flächenkonkurrenz. "Das Energie-Einspeise-Gesetz hat mit seiner garantierten Vergütung für Biomasse für eine Verzerrung der Pachtpreise gesorgt", sagt Maßloh. "Das macht es für Bio-Betriebe, die ohnehin mehr Kosten pro Hektar für ihre Produktion haben, noch schwieriger."

Grundsätzlich lasse sich aber durchaus Geld verdienen. "Direktvermarkter mit Hofläden oder Wochenmarktständen sind deshalb im Schnitt etwas besser dran, weil sie ihre Produkte zu eigenen Preisen verkaufen können." Wer an den Lebensmitteleinzel- oder Großhandel liefert, muss sich mit niedrigeren Preisen zufriedengeben. Denn die Ökobauern konkurrieren nicht nur mit ihren Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft.

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