Schleswig-Holstein : Mindestlohn kostet Taxifahrer den Job

Hat Probleme: die Taxibranche.
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Hat Probleme: die Taxibranche.

Entlassungen und zurückgegebene Konzessionen in Kiel und Neumünster. Auf dem Land werden die Wartezeiten wohl länger.

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09. Januar 2015, 06:00 Uhr

Der Mindestlohn hat im Taxigewerbe er die ersten Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein gekostet. „In Kiel gab es rund 60 Entlassungen“, sagt Thomas Krotz, Vorsitzender im Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe. Sieben Konzessionen seien zurückgegeben worden.

Thomas Krotz.
Thomas Krotz.

In Neumünster haben die Firmen in der Taxigenossenschaft „44444“ sieben Wagen abgemeldet und zehn Fahrern gekündigt. Dem Obmann der Taxifahrer in Lübeck sind noch keine Entlassungen bekannt. „Aber acht Konzessionen wurden zurückgegeben“, berichtet Holmer Zähle. Ein Teil der Firmen habe die Zahl ihrer Fahrzeuge reduziert. „Ein Unternehmer hat von seinen vier Taxen drei abgemeldet, fährt jetzt ohne Angestellte.“ Zähle fürchtet: Auch in Lübeck wird es zu Entlassungen kommen.

Um den Mindestlohn zahlen zu können, sind landesweit Anträge auf höhere Tarife gestellt worden. Die vorgeschlagenen Preissteigerungen lagen je nach Region zwischen 18 und 29 Prozent. Ein Großteil der Anträge ist bereits beschieden – meist haben die dafür zuständigen Kreise und Städte jedoch nur Aufschläge abgesegnet, die unter den Wünschen der Taxibetriebe liegen.

Krotz: „So hat etwa der Kreis Rendsburg-Eckernförde unsere Vorstellung mit zwölf Prozent deutlich nach unten korrigiert – um dem Gemeinwohl gerecht zu werden.“ Als Teil des öffentlichen Nahverkehrs hat das Taxigewerbe nicht die Freiheit, die jeder Unternehmer hat: Die Preise anzupassen. Thomas Krotz vom Landesverband. „Und bei der Politik haben wir mit unserer Bitte um Steuerentlastung leider kein Gehör gefunden.“

In der Branche selbst werden die höheren Tarife kontrovers diskutiert. Taxifahrer Dennis Templin aus Neumünster: „Noch mehr Fahrgäste dürften nach Alternativen suchen oder ganz auf die Taxifahrt verzichten.“ Neben Fahrgemeinschaften fürchten die Unternehmer Schwarztaxen, die sich über soziale Netzwerke organisieren, oder Apps wie den Chauffeur-Service „Uber“.

Im Norden gibt es laut Statistik 1800 Taxen, 13,4 Prozent mehr als noch 2008. Die Zahl der Firmen ist um sieben Prozent auf 642 gestiegen. Könnte auf höhere Tarife verzichtet werden, wenn die Vergabe von Lizenzen reguliert würde? „Für Konzessionen gibt es keine Beschränkungen, das hat das Oberverwaltungsgericht Schleswig entschieden“, sagt Thomas Krotz. Sollte es Überkapazitäten geben, würden diese durch den Mindestlohn abgebaut. Zum Nachteil der Bevölkerung, wie Krotz betont. „Taxen sollten ja eigentlich jederzeit verfügbar sein, doch Kunden werden künftig länger warten müssen.“ Und in ländlichen Regionen werden Taxen möglicherweise bald gar nicht mehr fahren – zumindest am Sonntag oder in der Nacht. Taxi-Obmann Holmer Zähle: „Ein Kollege aus Reinfeld fährt nachts nicht mehr, weil der kleine Umsatz die Lohnkosten nicht trägt.“

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