zur Navigation springen

Millionendefizit in Ulm: Vorwürfe gegen neuen Finanzchef am UKE

vom

Hamburg | Seinen Posten beim Universitäts-Klinikum Eppendorf (UKE) hat Rainer Schoppik (48, Foto) noch gar nicht angetreten. Und doch steht der neue Kaufmännische Direktor bereits massiv unter Druck. An seinem bisherigen Arbeitsplatz, der Uni-Klinik in Ulm, soll Schoppik als Finanzchef ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe hinterlassen haben. Nach einer anonymen Anzeige prüft die Staatsanwaltschaft im Südwesten die Aufnahme von Ermittlungen gegen den Betriebswirt und andere frühere Klinikvorstände wegen Untreue. Hamburgs Grüne sind alarmiert. Ihre Bürgerschaftsabgeordnete Eva Gümbel nennt die Personalie "undurchsichtig" und fordert Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) auf, die Vorwürfe noch vor Schoppiks Amtsantritt in Eppendorf am 1. September aufzuklären. Notfalls, so Gümbel, müsse Stapelfeldt "die Reißleine ziehen" - sprich den Finanzmanager feuern, bevor er überhaupt angetreten ist.

Bis zum April war der designierte Kaufmännische Direktor des UKE in derselben Funktion in Ulm tätig. Die jetzt Verantwortlichen haben wenig Schmeichelhaftes über die siebenjährige Arbeit des 48-Jährigen zu berichten. Rüdiger Strehl, inzwischen für das Kaufmännische in dem Ulmer Krankenhaus verantwortlich, sagte der "Südwest Presse", sein Vorgänger habe "zwischen 2007 und 2013 aufgehört zu rechnen". Schoppik werde Probleme bekommen, "sein Handeln zu begründen".

Hintergrund ist das gescheiterte Finanzierungsmodell für einen 200 Millionen Euro teuren Neubau der Ulmer Chirurgie. Wie sich herausgestellt hat, kann das Krankenhaus die Kosten nicht stemmen und ist in die roten Zahlen gerutscht.

Auf Anfrage Gümbels bestätigt der Senat, dass die Hamburger Findungskommission unter Stapelfeldts Vorsitz vom Defizit in Ulm gewusst hat. Schlimm fand die Kommission die Negativbilanz des Kandidaten aber nicht. Erstaunliche Begründung in der Senatsantwort: "Zahlreiche andere Universitätsklinika in Deutschland befinden sich in einer vergleichbaren finanziellen Lage." Stapelfeldt sieht entsprechend weiterhin keinen Anlass, die Entscheidung zugunsten Schoppiks zu revidieren. Vielleicht auch deshalb, weil die Auswahl des Neuen das UKE eine Stange Geld gekostet hat. Laut Wissenschaftsbehörde erhielt das mit der Suche beauftragte Personalberatungsunternehmen dafür stattliche 103 000 Euro.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen