zur Navigation springen

Handwerk : Meister Kruggel: Der Schuster und sein Kater

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentlich ist er schon längst Rentner, aber noch immer steht er täglich im Geschäft und haucht alten Schuhen und Taschen neues Leben ein. Wenn Klaus Kruggel seinen Laden schließt, dann verschwindet das Schusterhandwerk aus Kropp.

von
erstellt am 02.Feb.2014 | 15:35 Uhr

Etwas versteckt im Hinterhof hinter einer großen Bäckerei, befindet sich die Werkstatt von Klaus Kruggel. Beim Öffnen der Werkstatttür klingelt eine Glocke, so wie dies früher in Kolonialwarenläden üblich war. Plötzlich steht man in einem Laden, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Links steht eine Registrierkasse vor einem Schleiflackregal aus den 50er Jahren mit Schuhcreme, Bürsten, Schnallen und anderem Materialien bestückt.

Der Blick geht über zahlreiche Schuhe hinweg auf das Fenster mit dem hellen Sonnenlicht. Dort liegt sein schwarzer Kater, der es sich auf einem Kissen gemütlich gemacht hat und die Sonne auf seinen Pelz scheinen lässt. Sein Herrchen ist eigentlich schon in Rente, doch so ganz einfach kann der Schuhmachermeister sein Handwerk nicht ruhen lassen. „Ich nehme keine neuen Kunden mehr an, obwohl ich mich vor Aufträgen manchmal nicht mehr retten kann“, erzählt Kruggel. Für Stammkunden ist er jedoch weiterhin da.

Seit 1967 ist er nun schon im Geschäft und jeden Tag geht er fleißig von 9 Uhr bis 18 Uhr – natürlich mit Pausen – in seine Werkstatt und teilt sich seit einigen Jahren tagsüber auf ungefähr 16 Quadratmeter mit seinem Kater „Puschi“ den Raum.

Das erste Geschäft hatte sein Vater in Süderbarup. 1958 eröffnete dieser an anderer Stelle – dort wo Anita's Modelädchen war – in der Kropper Hauptrasse sein neues Geschäft. „Damals war die Hauptstraße noch mit Kopfsteinpflaster bestückt und die Gehwege waren aus Sand,“ erinnert sich Kruggel.

Später kaufte sein Vater einen Gebäudekomplex, der sich am anderen Ende der Kropper Hauptstraße befindet, und wo der Schuhmachermeister heute noch sein Geschäft hat. Kruggel hat das Handwerk noch von der Pike auf gelernt. Früh ist er dann in das Geschäft des Vaters eingestiegen. „Wie das früher so war, man erlernte den Beruf des Vaters. Aber wenn ich aufhöre, ist die Werkstatt zu. Ich habe keinen Nachfolger“, sagt der Schuhmachermeister. Die beiden Töchter arbeiten in anderen Bereichen und die Schwiegersöhne sind bei der Bundeswehr.

Das vordere Haus, wo bis 2003 die Werkstatt und ein Schuhgeschäft untergebracht waren, ist heute an eine Großbäckerei vermietet. „Früher kamen noch Aufträge von der Bundeswehr“, erzählt Kruggel, „Die kaputten Schuhe der Kameraden wurden hier repariert beziehungsweise nach Beendigung des Armeedienstes wurden die Schuhe hier aufgearbeitet, bevor sie in eine Kleiderkammer kamen und anschließend als Ausrüstung für die neuen Soldaten dienten. Heute wird viel mehr weggeworfen“, sagt Kruggel.

Er erhält Aufträge aus ganz Schleswig-Holstein, weil er einer der wenigen Schuhmacher ist, der zudem noch Taschen repariert. „Früher gab es praktisch auf jedem Dorf einen Schuhmacher. Die Schnell-Service-Läden in großen Einkaufszentren können oder wollen diesen Service oft nicht mehr leisten“, erzählt Kruggel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert