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Macht der harte Sparkurs die Ratsdiener krank?

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erstellt am 06.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Schicke blaue Anzüge, dazu blaue Krawatten mit rotem Stadtwappen: Schon äußerlich verkörpern Hamburgs Ratsdiener ein Stück hanseatischer Stadttradition. Seit mehr als 150 Jahren sind sie die "Mädchen für alles" in der Machtzentrale der Hansestadt. Sie rücken Möbel, versorgen Bürgerschaftsabgeordnete mit Unterlagen und tischen bei Fest essen des Senats auf, so auch beim prächtigen Matthiae-Mahl.

Doch hinter der Fassade ist längst alles glanzvoll. Der Job geht auf die Knochen, dazu gibt es Unmut wegen vieler Überstunden und ungünstiger Arbeitszeiten. Die Folge: Ein Fünftel des Rathaus-Personals fällt durchschnittlich wegen Krankheit aus - deutlich häufiger als die anderen städtischen Bediensteten (im Schnitt sind es 8,2 Prozent).

Der Krankenstand bei den sechs männlichen und drei weiblichen Mitarbeitern lag im Jahr 2012 bei erstaunlichen 20,7 Prozent. Das hat der Senat auf Anfrage der Linken-Bürgerschaftsabgeordneten Kersten Artus mitgeteilt. Die Ursache für die "extrem hohe" Ausfallquote ist für Kersten Artus offenkundig: "Die Schuldenbremse macht die Ratsdiener krank."

Angesichts der vielen anspruchsvollen Aufgaben sei die Personalbemessung viel zu knapp, kritisiert die Linken-Politikerin. Seit die guten Geister der Hamburger Politik 2004 im Landesbetrieb Rathaus-Service zusammengefasst wurden, ist die Belegschaft tatsächlich um ein Drittel auf neun geschrumpft; früher waren gar einmal bis zu 20 Ratsdiener aktiv. Und Besserung ist kaum in Sicht.

Der Senat teilt offiziell mit: Von den drei vakanten Stellen sollen zwei nicht wieder besetzt werden. Begründung: "Konsolidierungsverpflichtungen." Soll heißen: Auch die Ratsdienerschaft unterliegt dem Sparkurs, der ab 2020 neue Schulden der Stadt verhindern soll.

Eine besondere Ursache für den hohen Krankenstand sieht Kersten Artus in den vielen Überstunden und Wochenendschichten. Die Crux: Die allermeisten Veranstaltungen von Senat und Bürgerschaft gehen nachmittags und abends über die Bühne. Als Feierabendparlament kann die Bürgerschaft immer erst zu Plenar- und Ausschusssitzungen zusammenkommen, wenn die Abgeordneten ihren Brot-Job erledigt haben. Was dann zwangsläufig zu familien unfreundlichen Arbeitszeiten auch für die Mitarbeiterschaft führt.

Kersten Artus sieht sich und ihre Parlamentskollegen in einer besonderen Verantwortung: "Es darf uns nicht egal sein, wie die Menschen, die dafür sorgen, dass Senat und Abgeordnete reibungslos ihrer Tätigkeit nachgehen, arbeiten müssen." Per Antrag will sie die Bürgschaft nun dazu bringen, sich des Themas anzunehmen. Eine Forderung stellt die Linken-Abgeordnete schon jetzt: "Die freien Stellen müssen umgehend wieder besetzt werden."

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