Lob für Kiels saubere Dienstwagen

Umgestiegen: Torsten Albig springt gestern in Schleswig in seinen BMW 730, den er inzwischen statt seinem alten Audi  fährt.
Umgestiegen: Torsten Albig springt gestern in Schleswig in seinen BMW 730, den er inzwischen statt seinem alten Audi fährt.

Schleswig-Holsteins Politiker fahren umweltfreundlicher als fast alle Kollegen – doch Minister Habeck zweifelt leise an zugrunde liegenden Daten

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26. März 2014, 13:56 Uhr

In keinem anderen deutschen Flächenland fahren die Politiker so saubere Dienstwagen wie in Schleswig-Holstein. Das geht aus einer Umfrage unter 228 Spitzenpolitikern hervor, die die Deutsche Umwelthilfe gestern in Berlin vorgestellt hat. Nur in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen mit ihren kurzen Wegen sind Bürgermeister und Senatoren demnach in noch umweltfreundlicheren Autos unterwegs – sie halten als einzige Bundesländer den europäischen Zielwert von höchstens 130 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer ein. Schleswig-Holstein liegt mit durchschnittlich 142 Gramm etwas darüber. Schlusslicht ist Bayern mit 178 Gramm. Dort bekommen gleich vier Kabinettsmitglieder einschließlich Regierungschef Horst Seehofer eine symbolische „rote Karte“ von der Umwelthilfe gezeigt, weil sie „wahre Dreckschleudern“ mit einem CO2-Ausstoß von 197 Gramm fahren, wie Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch sagte.

Dass Schleswig-Holstein so gut abschneidet, liegt nicht zuletzt daran, dass sich Ministerpräsident Torsten Albig seit fast einem Jahr in einem neuen Dienstwagen chauffieren lässt, einem BMW 730. Hatte der SPD-Mann noch vor einem Jahr ebenfalls eine „rote Karte“ für seinen damaligen Audi A8 erhalten, fährt er nun das viertsauberste Auto aller Regierungschefs. Ganz vorn liegt sein baden-württembergischer Kollege Winfried Kretschmann von den Grünen mit einem Mercedes Blue Tec Hybrid. Das gleiche Modell fährt auch Albigs grüne Finanzministerin Monika Heinold (siehe Tabelle).

Dagegen ist ihr Parteifreund und Landesumweltminister Robert Habeck von diesem Typ kürzlich auf einen BMW 530 umgestiegen, weil er den angeblich niedrigeren Verbrauch des Mercedes anzweifelte: „Die Werte, die angegeben waren, stimmten überhaupt nicht mit dem realen Verbrauch überein“, stellte Habeck fest. Sein neuer Dienstwagen liegt jetzt zwar mit 134 Gramm CO2-Ausstoß leicht über der EU-Norm – „aber der alte hat faktisch genauso viel verursacht“, sagte Habeck gestern.

Unterm Strich ist die Zahl sauberer Politikerautos in Deutschland gestiegen. „Wir stellen erstmals einen klaren Trend hin zu sparsameren Fahrzeugen mit weniger Klimagas-Emissionen fest“, freute sich Umwelthilfe-Chef Resch und berichtete von Flottenmanagern, die geradezu erpicht auf die Auszeichnung durch die Umwelthilfe seien. Bundesweit 29 Politiker erfüllen inzwischen mit ihren Autos den EU-Zielwert und erhalten daher eine „grüne Karte“. Allerdings gebe es auch nach wie vor einige Klimasünder, sagte Resch: „Leider mussten wir fünf Ministerpräsidenten die rote Karte für ihre nicht mehr zeitgemäßen übermotorisierten Limousinen zeigen.“ Neben Seehofer waren das Hannelore Kraft aus Nordrhein-Westfalen, Klaus Wowereit aus Berlin, Volker Bouffier aus Hessen und Stanislaw Tillich aus Sachsen.

Auch in der Bundesregierung wechselt Licht mit Schatten. So gebe es unter den Ministern „keine negativen Ausreißer mehr“, lobte Resch. Allerdings fehlen auch die besonderen Vorbilder. Am saubersten ist der Mercedes von Forschungsministerin Johanna Wanka mit 148 Gramm CO2-Ausstoß.

Dagegen halten fünf Staatssekretäre im Bundeskabinett den absoluten Negativ-Rekord – darunter Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) aus Schleswig-Holstein sowie dessen Parteifreund und Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann aus Niedersachsen. Ihre Dienstwagen vom Typ VW Phaeton blasen pro Kilometer 224 Gramm Kohlendioxid in die Luft – so viel wie keine anderen. Schröder sagte dazu, dass bei der Auswahl seines Autos neben dem Schadstoffausstoß auch Kosten, Ausstattung und Sicherheit eine Rolle spielten. Jedoch werde er sich den Bericht der Umwelthilfe „genau ansehen und bei der Auswahl des nächsten Dienstfahrzeugs berücksichtigen“.

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