Kriminalstatistik : Leichte Beute am Fahrradständer

Der Fahrrad-Club ADFC kritisiert: Zu wenig Räder im Norden sind codiert. Bundesweit entsteht durch Diebstahl jährlich ein Millionenschaden.

shz.de von
26. Juni 2014, 20:00 Uhr

Kiel | Pro Tag werden in Kiel und Lübeck statistisch gesehen je sechs Fahrräder gestohlen. Die beiden Städte sind damit Schleswig-Holsteins Hochburgen beim Fahrradklau. In einer Erhebung des Vergleichsportals „Geld.de“ werden die Hanse- und die Landeshauptstadt als unsicher eingestuft. Je 100.000 Einwohner werden in Lübeck 1042 Räder pro Jahr gestohlen, in Kiel sind es 887. Die Aufklärungsquote in Lübeck beträgt 6,8 Prozent, in Kiel liegt sie sogar bei nur 5,1 Prozent.

Grundsätzlich geben die Zahlen der Kriminalstatistik Grund zum Optimismus: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der gestohlenen Fahrräder im Norden beständig gesunken: Von 23.000 im Jahr 2004 auf zuletzt 15.000 im Jahr 2013. Im Bundesvergleich liegt Schleswig-Holstein mit 541 gemeldeten Diebstählen je 100.000 Einwohner jedoch nur im Mittelfeld. Am Härtesten trifft es die Bremer mit 1004 Taten je 100.000 Einwohner, am Sichersten ist ein Fahrrad im Saarland (89 Taten).

Die Aufklärungsquote liegt in Schleswig-Holstein seit Jahren bei rund sieben Prozent (bundesweit: 9,6). Reiner Hinsch, stellvertretender Landesvorsitzender im Fahrradclub ADFC: „Die Quote ist so gering, weil noch zu wenig Räder codiert sind. Tauchen sie wieder auf, werden die Besitzer nicht gefunden und die Räder versteigert.“ Die Codierung, in der Wohnort und Straße verschlüsselt in den Rahmen graviert werden, kostet lediglich acht Euro. Doch nur 200 Schleswig-Holsteiner haben dieses Angebot bisher genutzt. Dabei werden nach Erfahrung des ADFC codierte Räder nur selten von Dieben oder Hehlern verkauft – es ist zu riskant.

Wer sind die Täter? 52 Prozent der aufgeklärten Fälle wurden im Norden von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden begangen. Laut Polizei werden Räder aber auch zur Finanzierung von Drogensucht oder von organisierten Banden gestohlen. „Im Frühjahr gab es in Hamburg den Fall, dass Räder mit Lastern abtransportiert wurden“, bestätigt Hinsch. Nach den Erfahrungen des ADFC erfolgen etliche Diebstähle allerdings nur für kurze Spritztouren. „Grund ist, dass viele Leute ihr Rad nicht einmal anschließen.“ Zudem seien zu viele Schlösser minderwertig – was auch die Stiftung Warentest kritisiert. Schaden bundesweit: 134 Millionen Euro.

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