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Verbraucherschützer warnen : Lebensmittel – Lücken im Überwachungsnetz

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Verbraucherschützer fordern mehr Kontrollen. Zahlen sollen das auch die Produzenten, sagt Verbraucherschutzminister Robert Habeck.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 12:49 Uhr

Kiel | Die Verbraucherzentrale fordert eine höhere Kontrolldichte der Lebensmittelüberwachung in Schleswig-Holstein. „Hygienemängel, falsche Kennzeichnung oder Deklaration von Inhalten, Überschreitung von Höchstmengen, verbotene Stoffe – die Probleme werden immer vielfältiger“, sagt Gudrun Köster, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale in Kiel.

Besondere Sorge bereitet ihr der steigende Absatz von Nahrungsergänzungsmitteln – und die wachsende Beanstandungsquote dabei. Sie liegt nach dem jüngsten Jahresbericht des Landeslabors in Neumünster bei 82 Prozent. Es ist der schlechteste Wert von allen Produktgruppen. Drei Jahre vorher wurden „nur“ 66 Prozent der Proben bemängelt. Beispiel für einen weiteren Negativ-Trend sind knallige Azofarbstoffe in Speiseeis. Weil sie die Gesundheit vor allem von Kindern beeinträchtigen können, ist ein Warnhinweis am Verkaufstresen Pflicht. Er fehlte jedoch bei allen amtlich überprüften Anbietern, wie der Bericht des Landeslabors ausweist.

Um Hygienemängel in Gastronomie und Einzelhandel transparent zu machen, wünscht sich Köster, dass Pläne für ein Smiley-System oder Ähnliches wiederbelebt werden. „Schleswig-Holstein sollte dabei eine aktive Rolle einnehmen. Es müssen Namen genannt werden. Sonst kann es sein, dass Verbraucher gerade in beanstandeten Betrieben etwas verzehren oder kaufen.“

Nach einer Mitteilung des Ministeriums für Verbraucherschutz werden ab sofort sechs frischgebackene Lebensmittelkontrolleure die bei den Kreisen und kreisfreien Städten angesiedelte Überwachung verstärken. Damit seien dort 62 Lebensmittelkontrolleure im Einsatz. Laut Ministerium ist das ein neuer Höchststand. Eckhard Beckmann, Vorsitzender des Verbands der Lebensmittelkontrolleure, hingegen sagt: „Mit den sechs neuen Kollegen werden gerade mal Pensionierungen wieder aufgefüllt.“ Vier bis fünf weitere Kräfte bei den Kommunen seien nötig, „um den Standard zu sichern“. Allerdings erkennt Beckmann an: „Tendenziell besetzen die Kreise frei werdende Stellen schneller wieder.“ Viele Skandale hätten die Überwachung stärker in den Blick der Politik gerückt.

„Die Skandalhäufigkeit nimmt enorm zu, und die Lebensmittelkontrolle wird immer wichtiger“, erklärt Verbraucherschutzminister Robert Habeck. „Falsch ist die Denke, es handele sich um staatlich verordnete Drangsal. Kontrollen sichern guten Produkten Absatzchancen.“ Um dafür zusätzliches Geld zu beschaffen, möchte der Grünen-Politiker die Produzenten an den Kosten für die Kontrollen beteiligen. Bisher zahlen sie nur für Untersuchungen, wenn ein Verdacht auf Unregelmäßigkeiten im Raum steht. Zumindest unter den rot-grün regierten Ländern zeichne sich dafür ein Konsens ab, glaubt Habeck.

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