zur Navigation springen

Land zwischen den Meeren stärkt die Küstenforschung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf zu neuen Ufern – Die vier großen Akteure der Meereswissenschaften in Schleswig-Holstein vernetzen sich

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 19:42 Uhr

Die Wissenschaftler sind sich sicher: In 50 Jahren lebt 90 Prozent der Menschheit an den Küsten. „Insofern bietet es sich für Schleswig-Holstein mit seinen Küsten und der geballten Kompetenz in der Meeresforschung geradezu an, die Kräfte zu bündeln und mit einem Netzwerk Küstenforschung wichtige Impulse zu geben“, betonte gestern Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD). Unter Federführung ihres Ministeriums haben jetzt die vier großen Akteure im Lande – nämlich das Alfred Wegener Institut auf Helgoland und Sylt, das Geomar in Kiel und das ebenfalls zum Helmholtz-Forschungsimperium gehörende Zentrum in Geesthacht zusammen mit der Uni Kiel beschlossen, enger zusammenzuarbeiten. Mit im Boot sind rund 400 Wissenschaftler, die gemeinsam daran arbeiten wollen, Meere und Küsten besser zu verstehen und wirkungsvoller zu schützen.


Datensteckdosen unter Wasser


Gestern wurde nicht nur der formale Zusammenschluss gefeiert, sondern ein erstes konkretes Projekt vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Unterwasserknoten, der wie eine Datensteckdose auf dem Meeresboden funktioniert. Das etwa ein Kubikmeter große Teil besteht aus zahlreichen Messinstrumenten, mit denen der Nährstoffgehalt und die Übersäuerung des Wassers, diverse Strömungsrichtungen oder Fischbilder analysiert werden können. Je nach Bedarf haben Forscher anderer Institutionen die Möglichkeit, bis zu zehn weitere Messeinheiten anzuschließen und die Ergebnisse in Echtzeit auf der Seite des Projekts COSYNA zu verfolgen. Die Daten sind auf www.hzg.de auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Bislang stehen solche Messeinheiten schon vor Helgoland, vor Spitzbergen und an der Forschungsstation FINO 3, 80 Kilometer westlich von Sylt. Noch in diesem Sommer wird eine weitere Station in der Eckernförder Bucht (Boknis Eck) ausgebracht und soll von dort Langzeitdatenreihen liefern. Ein besonderes Augenmerk will der Verbund auch auf die Flachwasserbereiche vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste werfen. Dort sind in den vergangenen Jahrzehnten allein 2,5 Millionen Steine abgefischt worden, die teilweise für Uferbefestigungen und Molenbau verwendet wurden. Dadurch hat sich Flora und Fauna in diesen Bereichen deutlich verändert. „Heute wissen wir, dass die Steine dort, wo sie lagen, für den Küstenschutz viel wirksamer waren, weil sie darunter liegenden Grund vor Abtragung schützten“, erklärte Hans Reimers vom Landesamt für Umwelt und ländliche Räume, der ebenfalls mit dem neuen Verbund zusammenarbeitet.

Wie empfindlich reagieren Flachwasserbereiche auf Umweltstress? Wie lange brauchen Algen, Seepocken und Muscheln nach Stürmen zur Regeneration? Welche Folgen haben vermehrter Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft und küstennahe Baumaßnahmen? Solche Fragen sollen im Rahmen des Projektes beantwortet werden – auch um später Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs und der Wassererwärmung vorauszuberechnen. Als erste gemeinsame Maßnahme werden jetzt die Küstengewässer entlang der Ostsee in Schleswig-Holstein flächendeckend per Mini-Tauchroboter kartiert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen