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Land prüft Autozug von Flensburg nach Sylt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Minister Meyer denkt über Konkurrenz für die Bahn und ein Verladeterminal an der A 7 nach

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer erwägt die Autozugverbindung nach Sylt für Konkurrenten der Deutschen Bahn zu öffnen und dazu eine neue Linie auf den derzeit stillgelegten Gleisen zwischen Flensburg und der Insel auszuschreiben. „Wir prüfen das ernsthaft“, sagte Meyers Staatssekretär und SPD-Parteifreund Frank Nägele unserer Zeitung. Allerdings gehe es bei den Überlegungen um „ein mittelfristiges Projekt“, das frühestens in zehn Jahren verwirklicht werden könne. Zuvor seien noch viele Fragen zu klären.

Bisher fährt die Bahn mit Autozügen von Niebüll nach Westerland. Sie will den lukrativen „Sylt Shuttle“ auch künftig weiterbetreiben – anders als ihre Autozüge ins Ausland. Doch vor allem den Grünen in Schleswig-Holstein missfällt, dass der Staatskonzern zwar gern die Erlöse aus dem Transport von jährlich fast einer Million Autos einstreicht, aber wenig in die teils noch eingleisige Strecke nach Sylt investiert. „Die enormen Gewinne bleiben leider nicht in der Region“, wettert ihr Verkehrsexperte Andreas Tietze und fordert „das Ende von Deutschlands letztem Monopol“.

Im Koalitionsvertrag hat die Küstenampel daher vereinbart, dass das Bahnmonopol auf den Prüfstand kommt und der Autozug nach Sylt „als Regionalverkehr eingestuft wird“. Das ist deshalb wichtig, weil das Land nur im Regionalverkehr das Zugangebot bestimmt – und auch nur, wenn es Zuschüsse zahlt, weil eine Strecke dem Betreiber sonst Verluste brächte. Das ist zwar beim Autozug Niebüll-Westerland nicht der Fall; vielmehr sprechen Insider laut Tietze von jährlich 60 Millionen Euro Gewinn – daher wird die Bahn hier in jedem Fall weiterfahren können.

Doch will Meyer jetzt prüfen, ob 2024 zusätzlich eine Autozuglinie ab Flensburg zusammen mit der defizitären Regionalverkehrsstrecke Hamburg-Westerland („Netz West“) ausgeschrieben und an einen Bahnkonkurrenten vergeben werden kann. Der Zuschussbedarf für das Netz West könnte dann sinken, das Land Geld sparen. „Wir prüfen, ob es Wege und einen Nutzen für das Land gibt, das Netz West und den Autozug klug zu verknüpfen“, sagt Nägele. Ein Verladeterminal in Flensburg nahe der A 7 hätte aus seiner Sicht zwei Vorteile: „Die Menschen müssten nicht mehr auf Landstraßen zum Autozug fahren. Und die Autos kämen früher auf die Bahn.“ Eine Hoffnung dämpft er allerdings: Dass zwischen Flensburg und Niebüll dann auch wieder Nahverkehrszüge fahren, habe „keine oberste Priorität“.

Für die Sylter könnte Konkurrenz beim Autozug aber auch einen großen Nachteil mit sich bringen: Falls dadurch die Fahrpreise von 90 Euro für Pkw oder 142 Euro für Wohnmobile sinken würden, kämen wohl noch mehr Autos auf die Insel. Und es gibt ein weiteres Problem für das Land: Die Wiedereröffnung der Trasse Flensburg-Niebüll wird schwierig. Sie gehört der Bahntochter DB Netz und müsste laut Nägele erst „für Millionen Euro“ technisch neu hergerichtet werden. Nägele kündigte daher an, dass das Land die Pläne nun zunächst auf ihre Folgen und Kosten untersuchen wolle und dazu auch „mit dem verlässlichen Partner Bahn“ reden werde.

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erstellt am 26.Sep.2014 | 17:46 Uhr

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