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Keine 365-Tage-Versorgung : Längere Wege zum Apotheken-Notdienst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nicht in jeder Kreisstadt wird es an 365 Tagen im Jahr eine Notdienstapotheke vor Ort geben. Die Dienste werden ab kommendem Jahr neu berechnet.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 19:23 Uhr

Ab Januar wird in Schleswig-Holstein per Computer errechnet, wann die einzelnen Apotheken Notdienst machen müssen. Die Folgen zeichnen sich schon jetzt ab: Nicht in jeder Kreisstadt wird es an 365 Tagen im Jahr eine Notdienstapotheke vor Ort geben. „Ziel der Neuregelung ist es, die rund 12.600 Rund-um-die-Uhr-Dienste im Norden gerechter zu verteilen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Schleswig-Holsteiner in klar geregelter Entfernung eine dienstbereite Apotheke finden“, erklärte gestern Stefan Zerres von der Apothekerkammer in Kiel. Dazu werden Geodaten, etwa die geografische Lage der einzelnen Apotheke, der Ortsmittelpunkt und die Bevölkerungsdichte erfasst.

Die Computersoftware unterscheidet zwischen Groß-, Mittel-, Kleinstädten, die maximale Entfernung liegt entsprechend zwischen zehn und 38 Kilometern. Ausgenommen von der Regelung sind die Apotheken auf den Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Helgoland, die ohnehin immer Notdienst leisten müssen. Zudem berücksichtigt das Programm, welcher Apotheker bereits stark belastet ist und entscheidet sich immer für denjenigen, der bislang am besten weggekommen ist. Auch Sonn- und Feiertage werden berücksichtigt: Wer etwa zu Weihnachten Dienst hatte, wird Ostern geschont. Insgesamt werde die Verteilung in Schleswig-Holstein effizienter und gerechter, weil alle Apotheken Notdienste leisten müssen und es keine Teildienste – etwa bis 20 oder 22 Uhr – mehr gibt.

Zwar behauptet die Kammer, dass es für die Bürger zur nächsten Notapotheke nicht weiter sein wird als bisher: „Da gibt es auf dem flachen Land schon jetzt Entfernungen von deutlich mehr als 30 Kilometern“. Trotzdem werden sich vor allem die Städter umstellen müssen. Mit Ausnahme von Kiel, Flensburg, Lübeck und Neumünster, wo auch künftig innerhalb des Stadtgebietes immer eine Apotheke dienstbereit ist, wird die Versorgung an allen 365 Tagen in den Kreisstädten nicht aufrecht erhalten. „Das hat zur Folge, dass Schleswiger Bürger mitunter bis Böklund fahren müssen, die aus Eckernförde nach Gettorf, Niebüller nach Leck oder Großenwiehe, Elmshorner nach Tornesch oder Uetersen und Itzehoer nach Wilster“, so Zerres.

Die Ärzte sind mit dem neuen System nicht ganz glücklich. „Sie wünschten sich überall dort, wo eine Notfallpraxis eingerichtet wurde, auch eine dienstbereite Apotheke vor Ort“, berichtet der Kammer-Justiziar. „Doch dann haben einige Apotheker jeden 5. oder 6. Tag eine 24-Stundenschicht, das geht nicht “. Zunächst will die Kammer sich streng an die mathematisch ausgerichtete Notdienstplanung halten. Nach einem Jahr könne immer noch nachjustiert werden.
 

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