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Warnung vor Resistenzen : Krankenkasse kritisiert steigende Antibiotika-Flut in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Antibiotika – die Wunderwaffe gegen bakterielle Infektionen. Doch viel zu häufig werden die Medikamente leichtfertig verschrieben.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 14:54 Uhr

Immer öfter greifen Ärzte zu „Medizinbomben“: Das Volumen der von den niedergelassenen Ärzten in Schleswig-Holstein verschriebenen Antibiotika ist von 2011 auf 2013 um 2,9 Prozent gestiegen, bundesweit sogar um 4,7 Prozent. Allein im vergangenen Jahr wurden im Norden fast 1,5 Millionen Tagesdosen (bundesweit 38,8 Millionen) verordnet. Dies ent-spricht durchschnittlich 4,7 Tagesdosen je Versichertem in Schleswig-Holstein (bundesweit 5,5 Tagesdosen). „Zwar gehen die Ärzte in Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich maß-voller und verantwortungsbewusster mit Antibiotika um, dennoch werden sie häufig zu schnell verordnet“, sagt Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der Landesvertretung Schleswig-Holstein der Techniker Krankenkasse.

Antibiotische Medikamente wie Penicillin bekämpfen wirkungsvoll bakterielle Infektionen und sind eine bedeutende Errungenschaft der Medizin. Allerdings haben sich im Laufe der Jahre immer mehr Resistenzen herausgebildet. Sabrina Segebrecht, Apothekerin: „Antibiotika sollten nur verschrieben werden, wenn sie wirklich nötig sind – zum Beispiel bei eitrigen Mandelentzündungen oder Lungenentzündungen. Bei virusbedingten Infektionen sind Antibiotika wirkungslos.“

Das Problem: Je häufiger Antibiotika eingesetzt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Resis-tenzbildungen. Multiresistente Keime, bei denen kein Medikament mehr wirkt, sind eine zunehmende Gefahr. „Um die Entstehung widerstandsfähiger Bakterien zu verhindern, sollten Patienten ein Antibiotikum immer wie verordnet einnehmen. Auch wenn es einem schon besser geht, sollte man das Medikament nicht frühzeitig absetzen“, rät Apothekerin Segebrecht.

Die TK bezieht sich auf eine aktuelle Auswertung von Arzneimittelverschreibungen aus dem Jahr 2013 der bei ihr versicherten Personen ab dem 18. Lebensjahr. Bundesweit sind über neun Millionen Menschen bei der TK versichert, fast 412.000 davon aus Schleswig-Holstein.

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