Kräfte im Tourismus bündeln

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31. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Klein machen wollte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer sein Land Schleswig-Holstein zwar nicht, als er mit markigen Worten beim 7. tourismuspolitischen Frühstück Hamburgs als Gastredner über die Kooperation mit der Hansestadt sprach. Dennoch insistierte er eindringlich: "Wir müssen akzeptieren, dass wir absolut von der Zusammenarbeit mit Hamburg profitieren." Überspitzt ausgedrückt, sei die Hansestadt sogar "die Metropole" für den nördlichen Nachbarn. Meyer führte als eine Begründung an, dass die regionalen Flughäfen allesamt defizitär seien. "Das führt zu Konsequenzen", erörterte er. "In unserem Koalitionsvertrag steht: Der Flughafen für Schleswig-Holstein ist Fuhlsbüttel."

Hamburgs Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll mahnte daraufhin an, dass es Verbesserungspotential in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gebe, "zumal wir als Stadtstadt eine völlig andere Struktur des Tourismus haben als ein Flächenland". Hamburg profitiere vom Tagestourismus, wohingegen dies in Schleswig-Holstein - von Ausnahmen wie Lübeck einmal abgesehen - eher die Ausnahme sei. So hat Hamburg innerhalb von zehn Jahren die Zahl der belegten Hotelbetten verdoppelt. Längere Urlaube, wie sie im Nachbarland üblich sind, würden hingegen ganz andere Rahmenbedingungen erfordern, sagte von Albedyll. Man stünde deshalb nicht in unmittelbarer Konkurrenz zueinander. Die Schlussfolgerung sei, enger zusammenzurücken, sagte von Albedyll. "Wir machen im Bereich Marketing nicht an den Ländergrenzen Schluss."

Meyer forderte deshalb, größere touristische Einheiten zu schaffen, um schlagkräftiger die Destinationen vermarkten zu können und auch Schleswig-Holstein leistungsfähiger zu machen. Immerhin hat die neue Landesregierung beschlossen, die 1,5 Millionen Euro Fördermittel für das Tourismus-Marketing nicht zu kappen. "Die Vermarktung muss aber vor Ort funktionieren", sagte Meyer. Wenn die Gemeinde Großenbrode aus verkehrter Eitelkeit in puncto touristischer Vermarktung nicht mit dem angrenzenden Heiligenhafen zusammenarbeiten wolle, wäre es problematisch. Gleiches gelte auf großer Ebene für Hamburg und Schleswig-Holstein.

Mittlerweile gibt es viele gemeinsame Projekte, die man in den eher flachen, wassernahen Nordländern nutzt, wie Kreuzfahrten, Wandern, Reiten oder Golf. Auch die Nähe zu den Anrainerstaaten der Ostsee wolle man nutzen, so von Albedyll, und intensives Marketing bis nach St. Petersburg betreiben. Derzeit diskutieren beide Bundesländer intensiv mit Dänemark darüber, wie sich das Mammutprojekt Fehmarnbeltquerung, die deutsches und dänisches Festland verbinden soll, gewinnbringend vermarkten lässt.

Auch in Bezug auf den internationalen Tourismus müssten die nördlichen Bundesländer enger zusammenrücken, betonte von Albedyll. Denn zwei Drittel des internationalen Tourismus in Deutschland findet in den Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen statt.

Auch wenn Meyer anmahnte, dass alle norddeutschen Länder noch mehr aufeinander zugehen müssten, lobte er, die Metropolregion Hamburg mit seinen insgesamt 4,3 Millionen Einwohnern sei als wirtschaftliches Zentrum Norddeutschlands auch ein Motor gemeinsamer touristischer Interessen.

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