Wacken Open Air in der Kritik : Krach um den Krach - Behörden messen nach

Holger Hübner
Holger Hübner

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08. Januar 2013, 01:14 Uhr

Wacken/Schenefeld | Die Klage gegen das Wacken Open Air - sie lässt den Veranstalter unbeeindruckt. "Wir sind ein freies Land, und wir haben keine Schmerzen damit", sagt Holger Hübner vom Management der ICS Festival Service GmbH unserer Zeitung. "Im Gegensatz zu vielen anderen Festivals gibt es für uns sehr hohe Auflagen, die wir alle erfüllen." Hübner ist Mitbegründer des mittlerweile weltgrößten Metal-Festivals, das vor 23 Jahren im 1800-Seelen-Dorf Wacken (Kreis Steinburg) aus der Taufe gehoben wurde. "Da wir nicht wilde Sau spielen, sind wir ein akzeptierter Teil dieser Region", weiß Hübner. "Die Gemeinde steht hinter uns."

Die Klage einer ortsansässigen Frau gegen das Festival, die jetzt bekannt geworden ist, war bereits am 2. August - und damit exakt zum Start des jüngsten Wacken Open Air - beim Verwaltungsgericht Schleswig eingegangen. Zuvor sei ein Mitte Juli eingereichter Eilantrag gegen das Festival als zu kurzfristig abgelehnt worden, berichtet Gerichtssprecher Harald Alberts.

Beklagt ist zudem keineswegs der Veranstalter, sondern die Ordnungsbehörde des Amtes Schenefeld. "Zu dem laufenden Verfahren werden wir uns jedoch nicht äußern", sagt Andreas Faust, Leitender Verwaltungsbeamter. Allerdings bestätigt er, dass dem Festival-Veranstalter "sehr hohe Auflagen" gemacht würden, die insgesamt mehr als 50 DIN-A4-Seiten umfassen. "Das Ergebnis gibt uns Recht", sagt Faust weiter. Auf der anderen Seite dürfe auch dies nicht außer Acht gelassen werden: "Eine ganze Region lebt von diesem Festival." Kein Wunder: Erneut werden 75 000 Fans erwartet - das Festival ist bereits seit September ausverkauft.

Mit Blick auf die Lautstärke verfahre die Ordnungsbehörde besonders streng, sagt Faust. "Für uns ist die Freizeitlärm-Richtlinie des Landes maßgebend, über die bei seltenen Ereignissen wie dem Wacken Open Air auch leicht hinausgegangen werden darf." Dennoch ist die Behörde wachsam. "Wir haben feste Messpunkte, die die Lautstärke in der umliegenden Wohnbebauung überwachen", sagt Faust. Zusätzlich würden mobile Messungen an besonders sensiblen Punkten vorgenommen. "Und wenn Bands spielen, von denen wir wissen, dass diese mal gerne stärker aufdrehen."

Und wenn es dann doch zu laut ist? "Dann rufen wir den Veranstalter an. Der muss innerhalb von 20 Minuten runterdrehen", sagt der Verwaltungsbeamte. "Das passiert aber auch." Andernfalls wäre ein Ordnungsgeld fällig, dies habe aber noch nie gegen die Veranstalter des Metal-Festivals verhängt werden müssen.

Und wie streng ist der Wert? "Während des Festivals sind bis 22 Uhr in der umliegenden Wohnbebauung 90 Dezibel zulässig", berichtet Faust. Zum Vergleich: So laut ist ein vorbeifahrender Lastwagen.

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