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Konsequenzen aus dem Kavernen-Desaster: Land will Inspektionen aller Atom-Lagerstätten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mehr Kontrollen und schärfere Vorgaben für Betreiber der Kernkraftwerke – so will Energiewendeminister Robert Habeck die Sicherheit im Umgang mit Abfällen aus dem Betrieb der Meiler verbessern. Der Grüne zieht damit Konsequenzen aus der Entdeckung Dutzender verrosteter und in Kavernen am Atomkraftwerk Brunsbüttel eingelagerter Fässer.

Beginnen sollen die Kontrollen danach künftig schon beim Befüllen der Fässer. Jährliche visuelle Inspektionen in allen Lagerstätten folgen. Alle vier Jahre sollen die Behälter auch von unten untersucht werden. All dies werde die Atomaufsicht mit den Betreibern erörtern und umsetzen.

Grundlage der Überlegungen ist ein Bericht, den Habeck gestern in Kiel vorlegte. Unter Federführung der Atomaufsicht wälzten Experten Tausende Aktenbände zum AKW Brunsbüttel. Der Meiler war 1976 unter den Hamburgischen Electricitätswerken als Betreiberin ans Netz gegangen. Fazit des knapp 140 Seiten starken Berichts: Für den Umgang mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen fehlten „in- und externe Kontrollmechanismen“, so der Chef der Atomaufsicht, Jan Brackmann.

Und das hatte Gründe, die aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar sind. So stand mit der Asse ein Endlager zur Einlagerung der Abfälle nur bis 1978 zur Verfügung. In der Not funktionierten Betreiber daraufhin Kavernen am Standort zu Lagerstätten um – und das weit länger als geplant.

Zwar tauchte das Problem der Korrosion ausweislich der Akten erstmals 1979 in Brunsbüttel auf. Alarmiert war aber niemand, regelmäßige Kontrollen der Kavernen gab es nicht. Die Atomaufsicht kam erst zum Zuge, wenn der Abfall in förmlichen Verfahren endlagergerecht verpackt werden sollte.

Erste ernsthafte Hinweise auf Rostfässer habe der Betreiber erst 2004 gehabt, heißt es in dem Bericht. Drei Jahre später landete das Problem auf dem Tisch der Atomaufsicht. Erst zwischen 2012 und 2014 seien in den Kavernen Schäden an den Fässern festgestellt worden, „die in qualitativer und quantitativer Hinsicht die sonst anzutreffenden Korrosionserscheinungen signifikant übertreffen“. 154 von 573 Behältern sind stark beschädigt. Im Spätsommer will Vattenfall, die den vor vier Jahren stillgelegten Meiler seit 2002 betreiben, mit der Bergung der Fässer beginnen.

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