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Konkurrenzkampf am Fähranleger

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erstellt am 17.Aug.2013 | 03:14 Uhr

nordfriesland | Seit mehr als einem Jahrhundert gibt es nur eine Gesellschaft, die die Menschen in Nordfriesland auf die Inseln Föhr und Amrum bringt. Jetzt aber taucht ein Konkurrent auf, und mit ihm entwickelt sich ein Fährbetreiber-Streit der besonderen Art an der Westküste. Angefangen hatte es im Frühjahr des vergangenen Jahres. Der Hamburger Schiffsbauzulieferer Becker Marine Systems kündigte an, der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) mit einer weitgehend emissionsfreien Fähre auf der Föhr-Amrum-Linie die Monopolstellung streitig zu machen. Ein Antrieb mit umweltfreundlichem Flüssigerdgas und somit klimaneutraler und "grüner" Fährverkehr soll auf den Weg gebracht und der Treibstoff in zwei Lastkraftwagen an Bord gelagert werden.

Viel passiert ist seither nicht, vielmehr dümpelt das Projekt in der Warteschleife. Hintergrund sind Streitigkeiten über die Nutzung der Anleger in Wyk, die 1981 von der Stadt an die WDR verkauft worden waren. Der Konkurrent ist sauer: Ein besonderes Konstrukt der Eigentumsverhältnisse zwinge trotz ausgereifter Schiffbaupläne und erfolgreichen Tests in einer Schiffbauversuchsanstalt zum Warten, erklärt das eigens mit Sitz auf Föhr und Helgoland gegründete Unternehmen "Watten Fährlinien". "Der öffentlich-rechtlich gebaute Fährhafen ist unter der Kontrolle der WDR", so Dirk Lehmann, Geschäftsführer der neuen Reederei. Er zweifelt an der Rechtmäßigkeit des damaligen Verkaufs und spricht von "unlauterem Wettbewerb". Denn auch die neu gebauten Seiteneinstiege könnten nur mit dem Einverständnis der ansässigen Reederei genutzt werden.

Das Einverständnis sei längst gegeben worden, betont hingegen der WDR-Chef Axel Meynköhn: "Die Nutzung durch die Watten Fährlinie ist nach vorheriger Absprache und Zahlung einer entsprechenden Gebühr möglich."

Absprachen, die Lehmann nicht anstrebt. Der Konkurrent hatte bereits Fahrpläne drucken lassen. Es liege nicht in seinem Interesse, die Taktung der Schiffe nicht selbst zu bestimmen. Deshalb bezeichnet der Unternehmer die Zustimmung der WDR lediglich als "eine hilfreiche Kooperationsbereitschaft". Lehmann sieht in dem Fall Verflechtungen zwischen kommunalen Institutionen und der Privatwirtschaft und deshalb die Stadt in der Pflicht. "Denn die betreibt einen Hafen, der mit öffentlichen Mitteln ausgebaut wurde, und ist nun nicht in der Lage, diesen einem Dritten anzudienen." Das müsse die Stadt begreifen und Interesse an einem Wettbewerb zeigen, dann sei die Kuh schnell vom Eis. "Wir wollen einfach nur eine saubere Fähre fahren lassen, die günstig das Wattenmeer und damit die Insulaner beglückt."

Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen und Ulrich Koch, Chef des Städtischen Hafenbetriebes, sehen einer möglichen juristischen Auseinandersetzung gelassen entgegen. Der Verkauf der Anleger sei rechtens gewesen, so Koch, und eine Einigung seitens der potenziellen Konkurrenz mit der WDR unumgänglich. Die Alternative wäre eine Sicherheitsbürgschaft in Millionenhöhe für den Bau eines weiteren Anlegers. Eine Maßnahme, die angesichts der fehlenden Infrastruktur kaum beschlussfähig und zudem absurd wäre, betont Paul Raffelhüschen. "Die Fahrgastzahlen lassen keine großen Zuwächse erwarten und wir sind mit drei Brücken gut bedient."

Ob und wann die neue Fährlinie tatsächlich an den Start gehen wird, ist ungewiss. Näheres über den Stand der Planung aber verrät die "Watten Fährlinie" zeitnah im Rahmen von Informationsveranstaltungen. Die sind auf Amrum am Donnerstag, 22. August, im Norddorfer Veranstaltungszentrum sowie auf Föhr am Mittwoch, 28. August, im Utersumer Taarepshüs und am Donnerstag, 29. August, im Wyker Kurgartensaal (jeweils 19.30 Uhr) geplant.

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