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Harles und Jentzsch aus Uetersen : Kommt der Dioxin-Skandal doch vor Gericht?

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Das Landgericht Itzehoe hat ein Hauptverfahren gegen die Chefs von Harles und Jentzsch abgelehnt. Dagegen legt die Staatsanwaltschaft nun Beschwerde ein.

Itzehoe/Uetersen | Der Dioxin-Skandal um die Futtermittelfirma Harles und Jentzsch aus Uetersen hat möglicherweise doch ein gerichtliches Nachspiel. Die Anklagebehörde werde Beschwerde gegen die Ablehnung einer Hauptverhandlung durch das Landgericht Itzehoe einlegen, sagte Staatsanwalt Peter Müller-Rakow am Donnerstag. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft ist das Landgericht der Auffassung, dass die verarbeiteten Mischfettsäuren aus gebrauchten Altspeisefetten nach damaligem Recht an Nutztiere hätten verfüttert werden dürfen. Denn die Altspeisefette selbst seien rein pflanzlich, auch wenn in diesen Fleisch frittiert worden sei „und somit Spuren von Stoffen tierischer Herkunft“ enthalten sein können. „Zu Gunsten der beiden Angeschuldigten muss davon ausgegangen werden, dass die verwendeten Fette nur zum Frittieren von Pommes Frites verwendet wurden“, heißt es in der Begründung der Richter.

Ende 2010 wurde bekannt, dass Harles und Jentzsch mindestens 3000 Tonnen dioxinbelasteten Futterfetts aus angeliefertem, mit dem Umweltgift belasteten Fett hergestellt und bundesweit vertrieben haben soll. 5.000 Bauernhöfe wurden deshalb gesperrt, Zehntausende Schweine und Hühner wurden getötet. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelte gegen zwei Manager des Unternehmens. Den Beschuldigten konnten sie jedoch keinen Vorsatz nachweisen. Zudem hatten diese die überhöhten Dioxin-Werte selbst gemeldet. Dennoch wurden sie wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch angeklagt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Harles und Jentzsch soll altes Frittierfett den Futterfetten beigemischt und diese dann als Pflanzenfett an Mastbetriebe verkauft haben.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte gesetzlich vorgeschriebene Chargentests, um Dioxineinträge in Futtermittel zu verhindern. „Das Gift wird in der Regel erst entdeckt, wenn das verseuchte Futter längst verfüttert wurde, und die Verantwortlichen kommen, anders als es die Politiker versprechen, regelmäßig ohne Strafe davon“, sagte Geschäftsführer Thilo Bode.

 
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erstellt am 23.Jan.2014 | 16:32 Uhr

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