Ernteausfälle durch Erreger in Niedersachsen : Klima bewahrt Schleswig-Holstein vor Kartoffelfäule

Lag die Kartoffel in der Hand eines Kartells? Foto: dpa
Gefährdete Knolle: Die Kartoffel ist in Niedersachsen von der Kartoffelfäule betroffen.

Die Landwirtschaftskammer registriert bislang nur vereinzelte Fälle in SH. In Niedersachsen sorgte der Erreger für große Ernteausfälle.

shz.de von
26. Juni 2014, 06:30 Uhr

Magdeburg/Neufeld/Ehndorf | Einen derart massiven Befall hat es seit Jahren nicht gegeben. Die Kraut- und Knollenfäule bereitet Kartoffelbauern in Niedersachsen derzeit Kopfzerbrechen. Teilweise ergaben sich 100-prozentige Ernteverluste – vor allem bei Frühkartoffeln.

Diesseits der Elbe sind die Landwirte noch unaufgeregt. „Die Kraut- und Knollenfäule ist bei uns kein Thema“, sagt Torsten Jacobs (53) vom gleichnamigen Kartoffelhof in Neufeld im Kreis Dithmarschen. Der Grund: „In Niedersachsen hatte es viel geregnet.“ So habe dort das warme und feuchte Wetter das Grassieren der Fäule begünstigt. „Nördlich der Elbe war der Himmel hingegen meistens blau“, sagt Jacobs. Zudem sei es in Schleswig-Holstein stets windiger und damit trockener.

„Das stimmt, ich laufe gerade über ein Feld in Norderdithmarschen – hier ist alles grün“, bestätigt Melanie Ziebell, zuständig für die Pflanzkartoffel-Anerkennung bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, am Telefon. Der Zustand der Kartoffel-Felder im Norden sei gut. Nur vereinzelt seien bislang „Andeutungen“ der Kraut- und Knollenfäule bemerkt worden. Der Befall sei schnell isoliert worden.

Nach Angaben der Landwirtschaftkammer werden in Schleswig-Holstein auf 5700 Hektar Kartoffeln angebaut, davon auf rund 3400 Hektar Speisekartoffeln. Die meisten Anbaugebiete befinden sich entlang der Westküste.

Die Kartoffelfäule werde von einem Pilz ausgelöst, erklärt Dr. Hans-Horst Borg von der Bundessortenamts-Außenstelle in Magdeburg. Mehr als 200 Kartoffel-Sorten seien zugelassen – „keine davon ist gegen den Erreger resistent“, sagt Borg. Infiziertes Pflanzgut könne die Fäule auslösen. „Der Erreger kann auch kilometerweit vom Wind umhergetragen werden“, weiß der Dithmarscher Kartoffelbauer Jacobs.

„Die Anbauer hierzulande sind wegen der Ereignisse in Niedersachsen gewarnt“, berichtet Thilo Kracht, Geschäftsführer des gleichnamigen Kartoffel-Unternehmens in Ehndorf bei Neumünster. Vorbeugend seien Pflanzenschutzmittel angewendet worden, um den Pilz in Schach zu halten.

Wie sind die Anzeichen der Fäule? „Zuerst ist das Kraut befallen, man sieht kleine braune Flecken. Dann gelangt der Erreger durch den Stängel oder auch mit dem Regen an die Knolle“, sagt Jacobs. Zunächst sehe man den Kartoffeln den Befall nicht an, ein Verzehr aus Versehen sei jedoch unschädlich. Später gehe alles „rasend schnell“. Jacobs: „Nach wenigen Tagen ist die Kartoffel nur noch braun, matschig – und stinkt.“

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