Kleinholz bevorzugt

Ganz bewusst auf dem Holzweg: Weniger als  eine Minutebraucht der Harvester, um einen Baum zu fällen, zu zerlegen und klein zu sägen.Michael Ruff
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Ganz bewusst auf dem Holzweg: Weniger als eine Minutebraucht der Harvester, um einen Baum zu fällen, zu zerlegen und klein zu sägen.Michael Ruff

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16. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hartenholm | Seine Augen leuchten, wenn er die große Maschine sieht. Wie ein kleiner Junge steht Jürgen Pallasch vor dem neuen Holzfäll-Ungetüm mit dem Namen Harvester Ponsse Ergo, der jetzt durch die Wälder Schleswig-Holsteins fährt und in Rekordzeit Brenn- und Möbelholz fällt. "Mein Traum ist es, einmal damit zu fahren", sagt der Geschäfts führer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und stapft erwartungsfroh mit den kalt gefrorenen Füßen auf den Waldboden von Hartenholm (Kreis Segeberg).

Der Harvester, der in weniger als einer Minute einen Baum von einer Höhe von bis zu 30 Metern fällen, entasten und kleinsägen kann, ist auch deshalb nötig geworden, weil der Hunger der Schleswig-Holsteiner nach Brennholz ungebrochen ist. "Der Boom hält an", sagt Hans-Jürgen Sturies (Foto), Leiter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer. Holz sei im Vergleich zu Öl preisgünstiger, in jedem dritten Haushalt steht ein Ofen. Immer mehr Leute heizen mit Holz, die Nachfrage sei durch den frühen Winter einbruch weiter gestiegen, die Preise im Vergleich zum Vorjahr jedoch relativ stabil, so Sturies. Allerdings könne dies nicht den stockenden Absatz von Möbelholz kompensieren. Während der Verkauf von Nadelholz noch funktioniere, machten den Waldbesitzern vor allem die sinkende Nachfrage nach Buchenholz Sorgen. In Schleswig-Holsteins Wäldern werden auf einer Fläche von 150 000 Quadratmetern pro Jahr rund 600 000 Festmeter Holz geschlagen, davon rund 360 000 Meter Nadelholz. "Und trotzdem steigt der Waldbestand in Schleswig-Holstein durch Aufforstung immer weiter an. Wir wirtschaften nachhaltig", sagt Jürgen Pallasch.

Die neue Erntemaschine, die zu den modernsten, größten und teuersten in Schleswig-Holstein zählt, sei umweltverträglich, weil sie dank eines langen Greifarmes von Feldwegen aus Holz schneiden und zerlegen kann ohne den Waldboden zu belasten. Kosten für den Harvester, den die schleswig-holsteinische Eignerfirma im ganzen Norden einsetzt: eine halbe Million Euro. "Die Maschine ersetzt die Kraft von zehn Wald arbeitern. Das kommt uns entgegen, weil wir immer größere Probleme haben, Nachwuchs für die so genannten grünen Berufe zu bekommen", sagt Jürgen Pallasch und nähert sich noch einmal dem Harvester. Denn auch wenn er ihn aus Versicherungsgründen nicht fahren kann: Einmal auf dem Fahrersitz des Riesengeräts Platz nehmen darf der 62-Jährige dann doch.

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