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Kommentar zu Einsprüchen : Klage gegen A-20-Elbtunnel: Psychologische Wirkung ist fatal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch der Kreis Steinburg prozessiert überraschend gegen den geplanten Tunnel bei Glückstadt. Es geht um Brandschutzregeln.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2015 | 06:47 Uhr

Das war zu erwarten: Die Naturschutzverbände in Schleswig-Holstein haben Klage gegen den geplanten A-20-Elbtunnel bei Glückstadt eingereicht. Sie sorgen sich um Rastvögel und Fledermäuse an der Unterelbe – aber auch um die Ruhe der Anwohner während der mindestens sechs Jahre dauernden Bauzeit. Ebenso wenig überraschend kommt es, dass der Betreiber der Fährlinie Glückstadt-Wischhafen prozessiert. Er hatte es vor einem Monat angekündigt.

Was nicht zu erwarten war, ist dagegen, dass der Kreis Steinburg wegen des Tunnels vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zieht – ausgerechnet der Kreis also, der wirtschaftlich am stärksten von der westlichen Elbquerung profitieren dürfte. Zwar lehnen die meisten Politiker dort nicht den Tunnel an sich ab, sondern nur die vorgesehenen Brandschutzregeln. Doch unterm Strich bleibt die Tatsache: Die Region klagt gegen die Elbquerung.

n der Sache hat der Kreis dabei zwar sogar Recht: Mit dem Brandschutz für den sechs Kilometer langen Tunnel ist die kleine Freiwillige Feuerwehr des 1700-Einwohner-Dorfs Kollmar tatsächlich überfordert. Doch mit Vernunft und gutem Willen werden Bund, Land und der vorgesehene Privatbetreiber das Problem bis zur Eröffnung des Tunnels Ende des nächsten Jahrzehnts lösen – es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Die Frage muss aber nicht schon jetzt und nicht vor Gericht geklärt werden.  


Zwar scheint die Klage des Kreises dem Tunnelbau andererseits auch kaum zu schaden: Eine Verzögerung ist nicht zu befürchten – denn Finanzierung und Zeitplan stehen ja ohnehin noch in den Sternen. Doch ist die psychologische Wirkung der Klage aus Sicht der sehnsüchtig auf den Tunnel wartenden Wirtschaft fatal: Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Bund und Land die Riesenprobleme mit dem Projekt noch überwinden wollen, wenn selbst die politischen Repräsentanten der Region dagegen vorgehen?

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