Kitas ab Freitag im Streik – Ende offen

Erzieher fordern zehn Prozent mehr Gehalt / Beruf nach wie vor beliebt

shz.de von
06. Mai 2015, 12:22 Uhr

Von morgen an werden die Türen vieler Kitas in Schleswig-Holstein verschlossen bleiben: Verdi, die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und der deutsche Beamtenbund kündigten gestern einen unbefristeten Streik der Arbeitnehmer im Sozial- und Erziehungsdienst an. Neben städtischen Kitas sind auch Jugendhilfe- und Behinderten-Einrichtungen betroffen. Nicht gestreikt wird in Einrichtungen kirchlicher und privater Träger.

Die Gewerkschaften fordern, dass die Beschäftigten mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden und damit bis zu zehn Prozent mehr Gehalt bekommen. Die Tarifverhandlungen hatten sie nach fünf Runden für gescheitert erklärt. Nach Angaben der Arbeitgeberverbände liegen die Tarifgehälter von Erziehern aktuell zwischen 2590 und 3750 Euro, Kita-Leitungen erhalten bis zu 4750 Euro. „Es wird dort gestreikt, wo ohnehin schon am besten bezahlt wird“, sagt Justus Steinbömer vom kommunalen Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein. Freie Träger würden geringere Gehälter zahlen.

Der Arbeitgeberverband ruft dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Gewerkschaften sehen jedoch keine Alternative mehr zum Streik: „Wer in fünf Verhandlungsrunden nicht einmal ein Angebot vorlegt, will nicht auf Augenhöhe verhandeln und zwingt uns in diesen Arbeitskampf“, sagt Karin Hesse, Landesleiterin von Verdi Nord.

Die beiden Gewerkschaften vertreten in Schleswig-Holstein nach eigenen Angaben zirka 5000 Arbeitnehmer – das ist weniger als ein Drittel aller Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Man gehe jedoch davon aus, dass sich auch Nicht-Gewerkschaftsmitglieder aus Solidarität am Streik beteiligen würden, sagte ein Sprecher. Bis zu 370 von den insgesamt 1680 Kitas in Schleswig-Holstein könnten bestreikt werden – so viele sind in der Hand von kommunalen Trägern.

Ihre Forderungen nach mehr Gehalt begründen die Gewerkschaften unter anderem damit, dass der Beruf des Erziehers wegen schlechter Bezahlung unattraktiv sein soll. Fachschulen melden unterdessen einen Ansturm auf die Ausbildungsgänge für Erzieher und sozialpädagogische Assistenten. So teilte das Kieler Bildungsministerium gestern mit, dass sich beispielsweise in Neumünster auf einen Schulplatz 8,3 Anwärter bewerben würden. Aus Schulen in Kiel komme die Botschaft: „Die rennen uns die Bude ein“.

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