Kita-Streik: Streit um Erzieher-Gehalt

Rückendeckung aus der Politik – Kommunale Arbeitgeber verwundert

Margret Kiosz von
08. Mai 2015, 16:32 Uhr

Das war erst der Anfang: Väter und Mütter müssen sich auf einen langen Streik in den kommunalen Kindergärten einstellen. Etwa 150 Einrichtungen im Sozial- und Erziehungsdienst blieben gestern geschlossen. Betroffen waren besonders Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Norderstedt. Da die Gewerkschaft Verdi nicht bereit war, einer Notdienstvereinbarung zuzustimmen, gibt es nur in wenigen, ausgesuchten Kitas für dringende Fälle eine Notbetreuung. Die wird in der Regel von Erziehern, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind (etwa 40 Prozent) und nicht streiken wollen, durchgeführt. Großeltern, Freunde und Nachbarn sprangen vielerorts ein. Allein in Kiel demonstrierten mehr als 650 Menschen für eine bessere Eingruppierung in die Gehaltsstufen. Gute Bildung gebe es nur gegen gute Bezahlung, sagte in Kiel der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn und forderte die Eltern auf, Druck auf die Kommunen auszuüben.

Der DGB begrüßt die harte Haltung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Lehrergewerkschaft GEW: „Die sozialen Berufe müssen endlich aufgewertet werden! Dafür habt ihr einen breiten Rückhalt in der Gesellschaft“, so die Botschaft des DGB Nord-Chefs Uwe Polkaehn an die Streikenden.

Schützenhilfe bekommen sie auch aus der Politik. Finanzministerin Monika Heinold, selbst ausgebildete Erzieherin, zeigt volles Verständnis für den Arbeitskampf und erklärte, es sei ungerecht, wenn Bildung im Kitabereich tariflich anders eingestuft werde als Bildung in der Grundschule.


      Kritik an Ministerin


Nach Ansicht der Sprecherin der Kommunalen Arbeitgeberverbände (KAV), Katja Christ in Frankfurt, stellt die Ministerin damit ein „austariertes Gefüge der Bezahlung“ im öffentlichen Dienst – abhängig von Schul- und Ausbildungsabschlüssen – in Frage. Schon jetzt liegen laut KAV die Gehälter von Erziehern an kommunalen Kitas zwischen 2590 Euro und 3750 Euro – und damit deutlich höher als in vergleichbaren Berufen mit vergleichbarer Ausbildung. Kita-Leitungen erhalten demnach sogar bis zu 4750 Euro. Die Kommunen als Arbeitgeber halten die Forderungen für nicht bezahlbar. Nach Angaben der kommunalen Arbeitgeberverbände würde eine Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen in Deutschland insgesamt 1,2 Milliarden Euro kosten. Der Landesvorsitzende, Neumünsters Bürgermeister Olaf Tauras, meint: Im öffentlichen Dienst seien die Erzieherinnen gut eingruppiert.

Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Sönke Rix besteht trotzdem Handlungsbedarf, damit Erzieher angemessen entlohnt werden. Auch er erinnert daran, dass er als ausgebildeter Erzieher weiß, „was meine Kolleginnen und Kollegen tagtäglich leisten und unterstütze ihre Forderungen nach mehr Anerkennung“. Schon seit langem fordere er die Aufwertung der sozialen Berufe. „Dazu benötigen wir eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, was uns diese wichtige Arbeit wert ist. Nicht zuletzt können wir mit besseren Löhnen im sozialen Bereich, in dem vor allem Frauen beschäftigt sind, auch einen Teil der eklatanten Lohnlücke schließen, die sich nach wir vor zwischen den Geschlechtern auftut“.

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