Die Folgen des Streiks : Kita-Gebühren: Eltern hoffen auf Erstattung

Die Betreuung unter Dreijähriger ist politisch und gesellschaftlich gewollt, treibt allerdings auch die Kita-Gebühren in die Höhe.
Am größten sind die Chancen auf Rückerstattung in Kiel.

Der Ausstand der Erzieherinnen geht in die zweite Woche – und die Geduld der Eltern schwindet. Einige Mütter und Väter wollen sich ihre Gebühren zurückholen. Doch das könnte an einigen Orten schwer werden.

shz.de von
16. Mai 2015, 08:36 Uhr

Kiel | Zweiklassengesellschaft in Schleswig-Holstein: Wer sein Kind in der Kita eines freien Trägers hat, ist derzeit fein raus. Die Eltern mit Kindern in kommunalen Einrichtungen müssen sich hingegen wegen des Kita-Streiks auch in der kommenden Woche um alternative Betreuungsmöglichkeiten bemühen.

Verdi-Chef Frank Bsirske erneute derweil seine Forderung nach einer höheren Eingruppierung – entsprechend etwa 10 Prozent Gehaltszuschlag – für die Erzieher. Es könne nicht sein, dass ein Facharbeiter in der Metallindustrie für den Umgang mit Maschinen doppelt so viel Geld bekomme wie eine Erzieherin für den Umgang mit Kindern. Nach fünf erfolglosen Runden hatten die Gewerkschaften die Verhandlungen für gescheitert erklärt.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) lehnt die Forderungen der Gewerkschaften nach wie vor als zu hoch ab. Sie summierten sich auf 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten pro Jahr. „Die Arbeitgeber sind jederzeit zur sofortigen Fortsetzung der Tarifverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit“, so VKA-Chef Manfred Hoffmann.

Inzwischen liegen bei den Eltern die Nerven blank, und auch Verdi ist klar, dass die Stimmung schnell kippen kann. In der Himmelfahrts-Woche konnten Eltern noch mit Brückentagen und Urlaub die Streiktage abdecken. Doch die Geduld geht zu Ende, zumal viele Väter und Mütter feststellen, dass sie selbst weniger verdienen als Erzieher und wegen des Streiks jetzt aus eigener Tasche den Babysitter (zusätzlich zu den laufenden Kitagebühren) bezahlen müssen.

Erzieherinnen und Erzieher verdienen derzeit zwischen 2590 und 3750 Euro, als Kita-Leitung bis zu 4750 Euro. „Wir erleben beide Seiten, Unterstützung, aber auch Verärgerung“, räumte Hamburgs Verdi-Verhandlungsführerin Hilke Stein ein. Längst nicht alle streikbetroffenen Eltern im Norden dürfen sich allerdings Hoffnung auf Rückerstattung der Kita-Gebühren machen. Eine generelle Rückzahlung komme nicht infrage, sagte Gemeindetag-Chef Jörg Bülow in Kiel. Viele Gemeinden berufen sich auf höhere Gewalt.

Am größten sind die Chancen auf Rückerstattung offenbar in Kiel: Hier ist per Satzung geregelt, dass es ab dem fünften Streiktag Geld zurück gibt. „Noch ist es für Anträge zu früh“, erklärt Stadtsprecher Arne Gloy und empfiehlt , bis zum Ende des Ausstandes zu warten. Auch in Lübeck sei auf jeden Fall mit einer Rückzahlung zu rechnen, sagte ein Stadtsprecher. Dort müssen Eltern ebenfalls aktiv eine Rückerstattung beantragen.

Kommunen profitieren derzeit vom Tarifstreit, weil sie Mitarbeitern, die ihre Arbeit niedergelegt haben, anteilig das Gehalt kürzen. Die sächsische Landeshauptstadt Dresden etwa – fast doppelt so groß wie Kiel – spült der Streik somit täglich fast 100.000 Euro in die Kasse.

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