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Kirchentag schrammte an Katastrophe vorbei

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shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Ist Hamburg Anfang Mai nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt? Davon gehen jedenfalls die Grünen aus. Denn während des Kirchentages mit mehr als zehntausenden Besuchern brannte im Hamburger Hafen stundenlang ein Auto- und Containerfrachter. Und wie erst jetzt bekannt wurde, hatte das Schiff atomare Fracht und Munition geladen. Die Grünen werfen dem Senat Vertuschung vor, weil er die Öffentlichkeit nicht rechtzeitig von sich aus informiert habe.

Rund 35 000 Menschen feiern gerade noch den Eröffnungsgottesdienstes des Kirchentages in der HafenCity. Auch Bundespräsident Joachim Gauck ist unter den Gästen. Kurze Zeit später steht in Sichtweite der Frachter "Atlantic Cartier" in Flammen. Die Feuerwehr braucht gut 15 Stunden, um den Brand zu löschen. Besonders brisant: An Bord des Frachters sind rund vier Tonnen Munition und 20 Tonnen radioaktive Stoffe - darunter auch neun Tonnen des für Menschen lebensgefährlichen Uranhexafluorids. Das geht aus der Antwort der zuständigen Innenbehörde auf eine Kleine Anfrage des grünen Abgeordneten Anjes Tjarks hervor.

"Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über die brisante Ladung informiert hat. Hier muss man schon fast von einem Vertuschungsversuch sprechen", kritisiert der Grünen-Politiker. Es sei nicht auszudenken, was hätte passieren können. Doch nach Angaben der Innenbehörde habe durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr keine Gefahr für den Hafen und die Menschen in der Umgebung bestanden. Die Feuerwehr habe gewusst, dass sich Gefahrgut an Bord befand. Deshalb seien 33 Gefahrgutcontainer geborgen und an Land gebracht worden. "Alle umgesetzten Container waren unbeschädigt; es sind keine Gefahrstoffe ausgetreten", geht aus der Antwort auf die Anfrage hervor. Schon vor gut einer Woche hatten mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen darauf hingewiesen, dass Reederei und Frachter für ihre atomaren Ladungen bekannt seien. Absender des im Hamburger Hafen umgeschlagenen angereicherten Uranhexafluorids sei in der Regel die Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau, teilten Atomkraftgegner - darunter unter anderem der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz - damals mit.

Die Ladung wurde inzwischen dem Empfänger übergeben beziehungsweise auf andere Schiffe umgeladen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden allerdings 30 von 70 auf einem Deck des Frachters stehende Autos durch die Flammen zerstört. Die 1985 gebaute "Atlantic Cartier" mit Heimathafen Göteborg steht noch im Hafen, weil sie für eine Weiterfahrt zu beschädigt ist. Unklar ist derzeit noch, warum das Feuer auf dem Frachter ausgebrochen ist.

Die polizeilichen Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, teilte die Innenbehörde dazu mit. Für die Feuerwehr war die Löschung jedenfalls eine große Herausforderung und besonders gefährlich. Allerdings nicht wegen der radioaktiven Ladung, sondern weil unglaublich hohe Temperaturen herrschten und der Zugang so schwierig war. Etwa 250 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Mit dabei waren ein Löschroboter, Lösch- und Polizeiboote, Schlepper und an Land 75 Fahrzeuge.

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