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Aus der Not eine Tugend : Kirche auf dem Land muss sich wandeln

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Vielerorts hält neben der Feuerwehr nur die Kirchengemeinde das Dorfleben in Gang. Ein Umdenken ist dringen notwendig, um die Kirche auf dem Land attraktiv zu halten. Ein Kommentar von Frank Jung.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 05:50 Uhr

An den Gedanken, dass Läden, Ärzte oder Schulen die Versorgung auf dem Land ausdünnen, hat man sich gewöhnt. Wenn nun sogar die Kirche darauf hinweist, dass ihre Angebote auf Grund des Bevölkerungsschwunds nicht so bleiben können wie gewohnt, dann wird es wirklich ernst mit dem Ausdünnen des ländlichen Raums. Von allem, was es dort an Infrastruktur gibt, ist die Kirche am längsten präsent. Mithin galt sie als Selbstverständlichkeit auch da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.
Wenn nicht mal mehr darauf Verlass ist, hat das weitreichendere Folgen als es die überschaubare Zahl von Gottesdienst besuchern nahelegt: Oft ist die Kirchengemeinde neben der Feuerwehr einziger Akteur, der das Dorfleben in Gang hält. Ihre Angebote sind beliebt auch bei vielen, die nicht sonntags um 10 Uhr unter der Kanzel sitzen. Nur, weil die Menschen wenigstens beim Chor, in der Jugendgruppe, beim Altennachmittag oder bei einem Mittagstisch noch Gelegenheit haben zusammenkommen, gibt es in manchem Dorf überhaupt noch ein Gemeinschaftsgefühl.
Auch, wenn also viele bei dem Thema lieber weghören würden, ist es verdienstvoll, dass Bischofsvertreter Magaard den Finger in die Wunde legt. Es ist die einzige Chance, aus der zahlenbedingt unabänderlichen Not eine Tugend zu machen: Nur, wenn sich beim Gestalten gemeindlichen Lebens jetzt ein Abschied vom Kirchturmdenken durchsetzt, kann es gelingen, Kirche auf dem Dorf überhaupt noch irgendwie attraktiv zu halten. In vielen Gemeinden fällt die Zahl engagierter Ehrenamtler sonst unter die kritische Masse. Kaum einer erreicht dann noch Strahlkraft - was Kirche leerlaufen lässt. Wer indes beobachtet, wie schwer sich Kirche schon mit neuen Aufgabenverteilungen in den größeren Kirchenkreisen tut - der ahnt, dass es lange dauert, bis die Einsicht der Sprengel-Spitze an der Basis ankommt. Ohne die aber ist jedes Umdenken zum Scheitern verurteilt.

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