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Keine Lehrer: Klasse muss zu Hause bleiben

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Einzigartiger Unterrichtsausfall an Grundschule in Bad Schwartau / Landeselternbeirat sieht darin exemplarischen Fall für Schleswig-Holstein

Es ist ein neues Alarmzeichen für die Unterrichtsversorgung in Schleswig-Holstein: Die Kinder der Klasse 1b der Grundschule Bad Schwartau sind gestern zu Hause geblieben. Die Schulleiterin hatte die Eltern gebeten, ihren Nachwuchs anderweitig unterzubringen. Begründung: Wegen mehrerer Krankheitsfälle lasse sich eine Betreuung der Erstklässler nicht mehr sicherstellen.

Eigentlich garantiert das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein die verlässliche Grundschule. Danach haben die Eltern einen Anspruch darauf, dass ihre Sprösslinge in den ersten beiden Klassen täglich vier, in der dritten und vierten täglich fünf Stunden zumindest beaufsichtigt werden – selbst wenn mangels Personal kein regulärer Unterricht stattfinden kann. „Aber was ich nicht einlösen kann, kann ich nicht einlösen“, sagt Ostholsteins Schulrat Manfred Meyer. Mit ihm war das Vorgehen der Bad Schwartauer Grundschule abgestimmt. Zu drei Langzeiterkrankungen im dortigen Kollegium seien kurzfristig zwei weitere Krankmeldungen hinzugekommen. Sämtliche Doppelbesetzungen und Arbeitsgemeinschaften seien längst aufgelöst. „Unter diesen Bedingungen hat die Schule richtigerweise entschieden, dass sie die Verlässlichkeit der Betreuung nicht sicherstellen kann.“ Der Schulrat spricht von einer „absoluten Ausnahmesituation“. Ab heute darf die 1b zumindest wieder erscheinen. Die Schule will eine Notlösung organisieren. Allerdings um den Preis, dass – wie Meyer sagt – Klassen zusammengelegt werden und/oder Dritt- oder Viertklässler auch mal selbst für sich arbeiten“. Ab Montag, dem Monatsersten, wird eine neu eingestellte Springerkraft für Ostholstein herangezogen, um in Bad Schwartau die Lage zu entschärfen.

Für die Vorsitzende des Landeselternbeirats Grundschulen, Katrin Engeln, hat sich das Thema damit jedoch keineswegs erledigt. Sie hat den Fall öffentlich gemacht. Zeigt er doch für sie „nur exemplarisch, wie stark Schule in Schleswig-Holstein am Rande ihrer Möglichkeiten ist“. Nach Engelns Kenntnis ist Bad Schwartau „vielleicht ein Extrem-, aber von der Grundproblematik her kein Einzelfall“. Sie hört landesweit von örtlichen Elternbeiräten, dass es an der Tagesordnung ist, wegen Lehrermangels immer wieder Klassen zusammenzulegen. „Dann machen drei Klassen zusammen Sport oder gucken einen Film über Wikinger, obwohl doch eigentlich gerade Sexualkunde auf dem Lehrplan steht“. Besonders empört sie, dass das Bildungsministerium bei der Lehrerzuteilung von vornherein einen Ausfall von sechs Prozent der Stunden einkalkuliert und Langzeiterkrankte nur zu 50 Prozent ersetzt. „Das System ist dadurch so anfällig, dass es schon durch einen weiteren Schnupfen im Lehrerkreis umkippt. Für die erste Klasse in Bad Schwartau war die Schulpflicht gestern faktisch aufgehoben. “

Zwar kein vollständiges Bild, aber einen Fingerzeig auf die Dimension des Unterrichtsausfalls liefert das von einer Elterninitiative ins Leben gerufene Internetportal www.fehlstunden-sh.de. Darauf haben Eltern, Schüler und teilweise auch Lehrer von März 2013 bis jetzt 24 508 Stunden Unterrichtsausfall gemeldet.

 

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erstellt am 25.Nov.2014 | 12:18 Uhr

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