Kein Chaos in Knüppels Comicladen

Comicladen-Inhaber Werner Knüppel (links) und Bruder Joachim mit Comics in der Hand, die sie schon als Kind gelesen haben. hfr
Comicladen-Inhaber Werner Knüppel (links) und Bruder Joachim mit Comics in der Hand, die sie schon als Kind gelesen haben. hfr

Avatar_shz von
10. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Jeder verfügbare Zentimeter des Ladens ist ausgenutzt. Neben den aktuellen Neuheiten hat das Comicladen Kollektiv zigtausende antiquarische Comics, Romane, Sammelbilderalben, Comic-Alben, Leihbücher, Kinderbücher, Filmprogramme, Musikzeitschriften und andere Printmedien aus allen Epochen des vergangenen Jahrhunderts. Für nostalgische Schwärmer ist es eine wahre Goldgrube. Werner Knüppel ist Herr des Ladens. Er weiß, wo jeder beliebige Comic im Laden liegen müsste. Meistens hat er auch Recht. Der 55-Jährige mit Jeans und leicht schief sitzender Brille , hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Oder besser: Die Eröffnung des Ladens war der letzte Ausweg. "Wir hatten zuhause einfach keinen Platz mehr für Comics", sagt der Comic-Liebhaber und fünffache Vater.

1992 gründete der gelernte Spediteur zusammen mit seinem Bruder Joachim und Freund Niko seinen eigenen Comicladen. Es war ein Experiment. Mit einigen tausend doppelten Heften und Comicalben eröffnet das Trio einen kleinen Laden in der Fruchtallee. Nach 20 Jahren am selben Standort hat sich vieles verändert. Aus einem Laden sind zwei geworden: nur zwei Hausnummern weiter sammeln sich weitere hunderttausende Einzelhefte und Alben in hunderten Regalmetern, zudem in beiden Kellerräumen. Mehr als 300 000 Musikzeitschriften, Romanhefte und Comics gibt es in Knüppels Comic-Antiquariat. Teure Einzelhefte, komplette Sammlungen oder Serien vor 1980 kauft Werner Knüppel seinen Kunden gerne ab. Zum Beispiel die Micky Maus-Hefte von 1951 bis 1975.

"Viele denken, sie können mit ihren mittelalten Comics das ganz große Geld machen. Oft kriegen wir Anrufe von Leuten, die sagen, dass sie eins der ersten Hefte von Micky Maus haben." Eine Rarität. Der Sammlerwert für die allererste Ausgabe von 1951 in sehr gutem Zustand liegt bei 12 000 Euro. Das Heft befindet sich damit auf Platz 4 der teuersten deutschsprachigen Comichefte. Seit 1985 wurden die ersten Ausgaben aber mehrfach nachgedruckt. Weil viele dieser nicht eindeutig als solche zu erkennen sind, werden die mittlerweile rund 20 Jahre alten Nachdrucke gerne für wertvolle Originale gehalten. "Für die Nachdrucke gibt es allemal noch 50 Cent", sagt Werner Knüppel. Ein fataler Irrtum. "Das wollen die meisten nicht wahrhaben", so der Comic-Fan. Aber es gibt eindeutige Merkmale.

Ebenso fatal: Wenn das Heft gelocht ist, sinkt sein Marktwert. Ein Heft für 100 Euro in sehr gutem Zustand ist dann gerade mal noch fünf Euro wert. "Einzige Bedingung für An- oder Verkauf: Die Hefte müssen komplett sein", sagt Knüppel. Fehlt eine Seite, kann das Heft in noch so einem guten Zustand sein, dann ist es nichts mehr wert. Ungefähren Anhaltspunkt für Preise auf dem Sammlermarkt geben Kataloge. "Da wir selbst sammeln, bewerten wir fair. Es geht uns nicht um den schnellen Euro oder Höchstpreise." Dennoch reicht der Umsatz zum Leben.

"Die Kunden sind mit uns groß geworden", erklärt Bruder Joachim Knüppel. "Naja, nur wenige", wirft Werner ein. "Doch, schon viele", widerspricht Joachim. Er ist zwei Jahre älter als sein Bruder und bei ihm angestellt. Meistens sind die Knüppels aber einer Meinung. Zusammen entdeckten sie im Kindesalter die Liebe zu Comics. Die Brüder verstehen sich als Makler zwischen denen, die die alten Hefte loswerden wollen und den anderen, die teilweise viel Geld für die Schätze ausgeben. Die Kunden kommen von überall her. "Wir verschicken unsere Comics weltweit, nach Oman, Istanbul oder Australien", so Werner Knüppel.

Ganz besondere Hefte bewahrt Knüppel in einem Safe bei der Hamburger Sparkasse auf. Zu seinen größten Schätzen gehören die deutschen Superman-Hefte 2 und 3 aus dem Jahr 1950. Die zweite Ausgabe ist laut Katalog rund 9000 Euro wert. Werner Knüppel ist aber auch Realist und freut sich, "wenn die Hefte weggehen." Comicladen Kollektiv, Fruchtallee 130, Hamburg, www.comicladen-kollektiv.de.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen