Keim-Misere entstand in Dreibettzimmer

shz.de von
30. Januar 2015, 12:37 Uhr

Bei der Ehec-Epidemie wurden die Keime in Schach gehalten – und als vor zwei Jahren 70 verletzte Libyer ins Kieler Universitätsklinikum eingeflogen wurden, ebenfalls. Jeder davon war – wie UKSH-Chef Jens Scholz gestern im Sozialausschuss des Landtages mitteilte    – mit den gleichen Bakterien besiedelt, mit denen die Klinik jetzt kämpft. Das zeige, dass das Personal gut geschult sei und Hygienemaßnahme streng eingehalten werden. Womöglich sei der aktuelle Ausbruch darauf zurückzuführen, dass der Patient, der die Keime nach Kiel einschleppte, aus Platzmangel in einem Dreibettzimmer untergebracht werden musste. „Da kann es durchaus zu Verwirbelungen kommen, weil die Tür ständig auf und zu gemacht wird“ , so Scholz. Der Keim können also durch die Luft übertragen worden sein.

Zugleich wies Scholz erneut darauf hin, dass auf Grund der baulichen Misere im Kieler Klinikum hygienische Maßnahmen „eine besondere Herausforderung sind“. Dass Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) nun prüfen will, bis zur Fertigstellung eines Neubaus Anfang des nächsten Jahrzehnts Container auf dem Gelände der inneren Medizin aufzustellen, begrüßte Scholz. Pläne, in größerem Umfang als bisher Patienten auf Risikokeime zu testen, stießen im Ausschuss parteiübergreifend auf Zustimmung. Geklärt werden müsse jedoch die Kostenfrage. Derzeit schlägt ein Test mit rund 960 Euro pro Patient zu Buche. Das könne nicht über die normale Fallpauschale abgegolten werden, sondern müsse außerhalb des Budgets von den Krankenkassen bezahlt werden. Alheit steht mit dem Bundesgesundheitsministerium in engem Kontakt, sowohl was die Ausweitung der Tests angeht als auch die umfassendere Meldepflicht bei multiresistenten Keimen.

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