zur Navigation springen

„Gucci“ oder „Dior“ : Kaum noch Ablehnung ungewöhnlicher Vornamen

vom

Manche Eltern wollen für ihr Kind nicht nur einen seltenen, sondern ganz und gar ausgefallenen Namen. Einige Vorschläge können aber eher zur Belastung für das Kind werden - dann greift das Standesamt ein. Die Eltern im Norden scheinen aber recht bodenständig - meistens.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 19:55 Uhr

Kiel | Ungewöhnliche Vornamen wie „Pumuckl“ oder „Pepsi-Carola“ mögen für manches Kind später zum Ärgernis werden - auf den Standesämtern im Norden werden allerdings kaum noch Namenswünsche geäußert, die unannehmbar sind. So sind bei Ämtern in den Hamburger Stadtteilen Wandsbek, Bergedorf, Altona und Harburg in der Vergangenheit keine Namen mehr abgelehnt worden. Heute gehe fast alles, heißt es.

In Wandsbek seien Ablehnungen sehr selten, berichtet Bezirksamts-Sprecherin Lena Voß. In früheren Jahren seien in Deutschland mehr ungewöhnliche Namen abgelehnt worden. Auch durch die heutige multikulturelle Gesellschaft habe sich das aber geändert. Ob ein Name wie „Pumuckl“ abgelehnt würde, sei heute nicht mehr sicher: Das Namensrecht liege ja bei den Eltern. Beim Bezirksamt Altona ist bei der Namenvergabe weniger die Besonderheit eines Namens das Problem, sondern die Schreibweise. Die kennen einige Eltern nicht, sagt Pressesprecherin Kerstin Godenschwege. Das Itzehoer Standesamt lehnte in den vergangenen Jahren ebenfalls keine Namen ab.

In Kiel dagegen gab es 2013 einen solchen Fall: Mit dem Antrag, ihr Kind „Gucci“ zu nennen, kamen die Eltern nicht durch. Das kleine Mädchen muss also nicht mit dem Namen der italienischen Luxus-Modemarke leben. Anders ging es dagegen einem Jungen, dessen Eltern sich ebenfalls 2013 den Vornamen „Maier“ für ihren Sohn wünschten. Zunächst wollte das Standesamt ablehnen. Dann hätten Mutter und Vater aber den Nachweis erbracht, dass „Maier“ durchaus ein üblicher männlicher Vorname sei, wenn auch in den Niederlanden.

Der Name sei dann beurkundet worden. In einem weiteren schleswig-holsteinischen Standesamt gingen Namen wie Coco und Bobby für Mädchen durch, Jungen erhielten die Namen Chance, Chrona, Lio und Loki.

In der Hansestadt Lübeck setzen die Eltern wie fast überall im Land eher auf Traditionelles. Namen wie Emma, Hanna, Paul und Felix seien beliebt, teilt Pressesprecher Marc Langentepe mit. In den letzten Jahren seien vom Standesamt keine Vornamen mehr abgelehnt worden. Wer doch auf allzu Abstruses setzt, wird an die Namenberatungsstellen in Leipzig oder Wiesbaden verwiesen. Auch in Flensburg sei meistens „alles im üblichen Rahmen“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. „Es gibt sehr selten Ablehnungen. Ansonsten wird schon im Gespräch selbst darauf hingewiesen.“ 

Auch Flensburg verweist an die Namenberatungstelle an der Leipziger Universität. Dort bekommen Eltern mit dem Hang zum Ungewöhnlichen ein Kurzgutachten „zur Eintragungsfähigkeit eines Vornamens zur Vorlage beim Standesamt“ für 40 Euro. Auf ihren Webseiten listet die Leipziger Beratungsstelle auch Gerichtsurteile vergangener Jahre auf: So ging 1992 der Name „Lafayette“ durch - für einen Jungen, der noch einen weiteren männlichen Vornamen benötigte.

Auch „Maha“ wurde als Name für ein Mädchen erlaubt, die kleine „Prestige“ und die kleine „Bo“ brauchen noch einen zweiten, eindeutig weiblichen Namen. Jazzliebhaber können ihren Abkömmling auch gerne so nennen, wenn ein zweiter Vorname dazukommt. „Fanta“ hingegen steht für sich alleine - für Mädchen natürlich. Was fällt dann überhaupt noch durch? „November“, „Pfefferminze“, „La Toya“, „Cezanne“ und „Heydrich“. „Dior“ hingegen ist - anders als „Gucci“ in Kiel - erlaubt, sofern es enge Bindungen zum senegalesischen Kulturkreis gibt - denn da kommt der Name her.

 

Die beliebtesten Vornamen 2013

Flensburg

Mädchen: 1. Marie, 2. Sophie, 3. Emma

Jungen: 1. Ben, 2.  Jonas, 3. Jakob

Schleswig

Mädchen: 1.Sophie, 2.Marie, 3. Mia

Jungen: 1. Jonas,  2. Luca und  Noel 3. Elias und Paul                   

Eckernförde

Mädchen: 1. Sophie, 2. Emma, 3. Marie

Jungen: 1. Jonas und Leon, 2. Paul, 3. Luca

Neumünster

Mädchen: 1. Sophie, 2. Marie, 3. Mia

Jungen: 1. Ben, 2. Luca und Leon, 3. Elias

Eutin

Mädchen: 1. Sophie, 2. Marie, 3. Emma

Jungen: 1. Luca, 2. Ben und Maximilian, 3. Paul

Husum

Mädchen: 1. Marie, 2. Mia 3. Sophie

Jungen: 1. Elias, 2. Felix, Jesper, Mika und Milan, 3. Lasse, Moritz,  Tade,  Ben, Luca, Paul und Jonas

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen