zur Navigation springen

Katholische Kirche: „Es geht um die Frage, ob wir eine Gesellschaft ohne Gott sind“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Erzbistum Hamburg will die Gottesformel in der Landesverfassung notfalls per Volksentscheid durchsetzen. In einem ersten Schritt soll der Landtag per Volksinitiative gezwungen werden, sich erneut mit dem Thema zu befassen. Die evangelische Nordkirche hält sich bisher zurück.

Der Landtag hatte es am Mittwoch abgelehnt, die Formel „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“ in die neue Landesverfassung aufzunehmen. Das Signal, das der Landtag mit dieser Entscheidung gesetzt habe, halte er für „höchst bedenklich“ sagte der Diözesan-Administrator Ansgar Thim gestern in Kiel.

Deshalb gehe es „jetzt erst recht“ um die Frage, „ob wir eine Gesellschaft ohne Gott sind“. Thim begründete seine Entscheidung, eine Volksinitiative vorzubereiten, auf „viele Mut machende Reaktionen“ von Menschen im Land. Die katholische Kirche im Erzbistum werde nun eine Kampagne für die Volksinitiative vorbereite. Thim zeigte sich sehr zuversichtlich, dass wir das Quorum von 20 000 Unterschriften erreichen werden. In Schleswig-Holstein leben nach Angaben des Erzbistums 172 000 Katholiken. Das sind 6,12 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Auch Torsten Albig (SPD) hatte Sympathien für eine Volksinitiative zum Gottesbezug erkennen lassen – dies aber nicht als Ministerpräsident, sondern als „Bürger Albig“. In der Parlamentsdebatte um die neue Verfassung hatte Albig in einer persönlichen Erklärung für den Gottesbezug geworben, um die Begrenztheit menschlichen Handelns bewusst zu machen.

Für die Nordkirche steht eine Volksinitiative zur Landesverfassung dagegen derzeit nicht zur Debatte. Der Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche, Gothart Magaard, verwies auf die Position der Kirche im Vorfeld der Verabschiedung der Landesverfassung. Dabei habe die Nordkirche stets betont, das politische Votum des Parlaments über die Landesverfassung akzeptieren zu wollen. Diese Haltung könne nach dem Nein des Landtags zum Gottesbezug in der Verfassung nicht einfach aufgegeben werden, auch wenn sich die Nordkirche eine andere Entscheidung gewünscht habe.

Im Falle einer erfolgreichen Volksinitiative müsste der Landtag sich erneut mit der Gottesfrage befassen. Bliebe das Parlament bei seiner ablehnenden Haltung, wäre der Weg zu einem Volksbegehren (80 000 Unterschriften) und einem Volksentscheid frei. Der wäre erfolgreich, wenn eine Zwei-Drittel-Mehrheit und mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten zustimmt. In Niedersachsen hatten die Bürger in den 90er-Jahren den Gottesbezug nachträglich in der Verfassung durchgesetzt.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Okt.2014 | 15:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen