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Lebensmittel zu teuer : Kantinen in SH folgen Bio-Trend nur selten

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Täglich Bio für alle - das funktioniert nicht. Nach Angaben der Verantwortlichen in Kantinen hat das vor allem einen Grund: Das Essen soll günstig sein. Die Kunden wären nicht bereit, für Bio-Produkte mehr auszugeben - das ergab eine Umfrage.

Hamburg | Hähnchenkeulen dampfen auf dem Teller, dazu gibt es Pommes Frites und mexikanische Salsa. 2,20 Euro kostet die ganze Mahlzeit in der Campus Mensa der Universität Hamburg. Für 3,30 Euro gibt es Putenfleisch mit Obst aus dem Wok, dazu Curry-Sauce und Reis. Für diesen Preis kommen keine Bio-Zutaten auf die Teller.

Überhaupt fällt es den Großküchen in Hamburg und Schleswig-Holstein schwer, dem Bio-Trend zu folgen, wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur in Hamburg und Schleswig-Holstein ergab. Die Studenten leben umweltbewusst; ökologisch korrektes Essen fordern viele von ihnen ein. Aber täglich Bio für alle - das funktioniert nicht. Dafür sind Bio-Lebensmittel dann doch zu teuer. Stattdessen gibt es in den Mensen des Hamburger Studierendenwerks Bio-Aktionstage, berichtet Martina Nag vom Studierendenwerk. An denen bieten die Küchen Gerichte an, die mit Zutaten „aus kontrolliert biologischem Anbau“ gekocht sind.

„Wir arbeiten nachfrageorientiert und haben festgestellt, dass es im Moment ein deutlich größeres Interesse an vegetarischem und veganem Essen gibt“, sagt Nag. Mehrere Mensen haben deshalb spezielle Stände für vegetarische Gerichte - und die Nachfrage steige. Gelegentlichen Studenten-Ideen, Fleisch aus den Mensen zu verbannen, will man im Studierendenwerk aber nicht nachkommen: „Wer Fleisch möchte, wird dies auch weiterhin in seiner Mensa erhalten können“, sagt Chef Jürgen Allemeyer.

Den Wunsch nach ökologisch vernünftigen Lebensmitteln erfüllt das Hamburger Studierendenwerk anders: In den 13 Mensen gibt es immer mittwochs den „Klimateller“. Er kommt ganz ohne Rind-, Schweine- und Lammfleisch aus, außerdem wird auf Milchprodukte verzichtet. Die Salsa-Hähnchen und das Putenfleisch mit Wok-Obst stammen aus klimafreundlicher Produktion.

In der Mensa der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr kommen Bio-Lebensmittel überhaupt nicht in Frage, sagt Chefin Angelika Mente. Zwischen 2 Euro und 4,80 Euro kosten die Hauptgerichte hier. „Mehr könnten wir mit den Vorgaben des Personalrats gar nicht vereinbaren.“ Die Gerichte könnten mit Bio-Lebensmitteln etwa ein Drittel teurer werden, schätzt sie.

In den Kantinen der Berufstätigen sieht das nicht anders aus. In der Kantine der Hamburger Finanzbehörde sind Bio-Lebensmittel nie Thema gewesen, sagt Betreiber Luzian Graun. „Es gibt nicht einen Gast, der jemals nach Bio gefragt hätte“, sagt er. Rund 500 Gerichte bereitet seine Küche am Tag zu. Auf Bio-zertifizierte Lebensmittel legten die Kunden am Gänsemarkt jedoch keinen Wert - „das habe ich auch noch nie in Erwägung gezogen“.

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In den sieben Mensen des Studentenwerkes Schleswig-Holstein setzt man eher auf regionale Produkte als auf Bio-Lebensmittel. „Wir haben Bio zwar schon seit Jahren im Angebot, aber wegen des höheren Preises ist die Nachfrage eher verhalten, sagt der Leiter Hochschulgastronomie des Studentenwerkes, Hans-Jürgen Tank. Statt 2,50 Euro koste ein komplettes Biogericht leicht bis zu 3,50 Euro, das sprenge auf Dauer das Budget eines Studenten. “Aber wir haben täglich eine Bio-Beilage im Angebot, punktuell gibt es auch Biogerichte", sagt Tank. “Verstärkt hat sich in letzter Zeit die Nachfrage nach Gerichten aus regionalen Erzeugnissen. Die unterscheiden sich im Preis nicht von der normalen Großmarktware", sagt der Gastronomie-Chef.

In den Kantinen des Unversitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) hat man den Trend zu Bioprodukten erkannt und arbeitet an der Umsetzung. Der Wille zu Bio sei auf jeden Fall da, wegen der großen Mengen sei die Umsetzung jedoch sehr aufwendig, sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. Die Küchen des UKSH an den Standorten Kiel und Lübeck versorgen sowohl Mitarbeiter als auch Patienten, pro Tag werden dort nach Angaben Grieves rund 4500 Mahlzeiten zubereitet.

Im Kantinenrestaurant des Lübecker Landgerichts gehen pro Tag rund 150 bis 200 Essen über den Tresen. Hier essen nicht nur Mitarbeiter und Besucher der Gerichte. Auch Schüler und einer nahen Schule und Menschen aus dem Stadtviertel genießen die spektakuläre Aussicht auf Lübecks sieben Türme als kostenlose Zugabe zum Mittagessen. Doch Bio sucht man auf der Speisekarte vergebens. “Wir haben so gut wie keine Nachfrage danach„, sagt Kantinenpächter Olaf Mahnke. Da er auf Geschmacksverstärker und Fertigsaucen verzichte, viele Gerichte vor den Augen der Gäste zubereite und frische Salate zum Selbstzusammenstellen anbiete, vermissten die Gäste Bio nicht, ist er überzeugt. “Das liegt vermutlich auch am Preis. Viele Gäste sehen es nicht ein, ein oder zwei Euro mehr für das Etikett „Bio“ zu zahlen, dessen Wahrheitsgehalt sie letztlich nicht überprüfen können", sagt Mahnke.

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erstellt am 07.Okt.2013 | 09:24 Uhr

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