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Seuche BHV1 : Kampf gegen Rindervirus: SH hinkt hinterher

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Gut möglich, dass uns eine Massenschlachtung droht“, sagt Bauernverbandsvize Peter Lüschow. Die Tierseuche ist in Schleswig-Holstein noch nicht ausgerottet. Andere Bundesländer stehen kurz davor.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 15:43 Uhr

Dithmarschen | Erneut ist der Norden Schlusslicht. Diesmal bei der Ausrottung der Tierseuche BHV1, die seit 1997 amtlich bekämpft wird. „Um für das Rinderland Schleswig-Holstein den Ausschluss vom freien Rinderhandel zu vermeiden, sind verstärkte Anstrengungen erforderlich“, kündigte das Ministerium im Oktober an und lieferte klare Terminvorgaben: Ab Juli 2014 gilt ein Weideverbot für Tiere aus nicht BHV1-freien Betrieben, ein Jahr später müssen alle nicht BHV1-freien Tiere – derzeit sind das noch 12.000 – getötet werden.

„Gut möglich, dass uns eine Massenschlachtung droht“, räumte gestern Bauernverbandsvize Peter Lüschow ein. Den Schuldigen hat er bereits ausgemacht. Das Veterinäramt Dithmarschen. Das wetterte zuletzt massiv gegen strenge Terminvorgaben des Ministeriums und fordert Aufschub. Für solche Querschläger hat Lüschow kein Verständnis. „In allen anderen Regionen des Landes gibt es nur noch sehr wenige befallene Höfe, nur in Dithmarschen leidet immer noch fast jedes dritte Rind an der Seuche“. Sie führt bei Tieren zu Lungenentzündungen. Symptome der für Menschen ungefährlichen Erkrankung sind zudem Fieber, Fehlgeburten und eine geringere Milchleistung. Einmal infizierte Tiere bleiben lebenslang Träger des Herpesvirus, der über die Luft verbreitet wird.

„Offenbar versucht Dithmarschen, das Problem auszusitzen“, schimpft Lüschow. Dass der Norden derzeit erst zu 86 Prozent BHV1-frei sei, liege vorwiegend an der laxen Umsetzung der Vorgaben an der Westküste. Die Kreisverwaltung in Heide war gestern dazu nicht sprechfähig. Das Ministerium betonte, man habe alle Veterinärämter regelmäßig informiert und Druck gemacht.

Sollte der Norden das gesteckte Ziel, bis 2017 zeitgleich mit Niedersachsen BHVI-frei zu werden, verpassen, „ haben wir hier ein ganz großes Problem“, warnt Lüschow. Dann nämlich könnten alle hiesigen Landwirte – auch die aus freien Kreisen – keine Kälber mehr in andere Bundesländer exportieren, auch nicht in das Hauptabsatzgebiet Weser-Ems. Lkw mit Schlachtvieh müssten versiegelt werden. „Der wirtschaftliche Schaden ist dann immens“, so Lüschow.

Bayern hat bereits den Status BHV1-frei erreicht, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg stehen kurz vorm Ziel. Die bundes- und europaweite Bekämpfung der Erkrankung sieht vor, dass der uneingeschränkte Handel mit Zucht- und Nutzvieh auch innerhalb der EU nur zwischen anerkannten BHV1-freien Regionen erlaubt ist; ansonsten müssen kostenintensive Quarantänemaßnahmen eingehalten und Blutproben gezogen werden.

 

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