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Immer mehr Tankbetrüger – aber in Dithmarschen liegt die Hochburg der Ehrlichen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tankbetrug wird zum Volkssport: In Zeiten hoher Spritpreise werden immer mehr Deutsche zu Zechprellern. Trotz zunehmender Videoüberwachung an den Tankstellen wurde nach Angaben des Bundeskriminalamtes noch nie soviel Benzin geklaut wie 2013. Insgesamt meldet die Polizei 91 600 angezeigte Tankbetrugs-Delikte – ein Plus von zwei Prozent zum Vorjahr. Hier setzt sich ein Trend fort: Seit 2012 steig die Zahl der Benzinklauer um über 17 Prozent.

Eine Studie des Portals Preisvergleich.de hat jetzt Daten von Polizei, Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt auf Stadtebene ausgewertet. Danach ist Berlin Betrugshauptstadt Nummer eins in Deutschland – gemessen an der Anzahl der Tankstellen und den bei der Polizei gemeldeten Tankbetrugsfällen – und in Dithmarschens Kreismetropole Heide und in Ahlen in Baden-Württemberg sind die Tankenden hingegen bundesweit am ehrlichsten.

Statistisch betrachtet wird jede Tankstelle in Berlin mindestens 25-mal im Jahr von Autofahrern heimgesucht, die statt zu zahlen das Weite suchen. Als Betrugshochburg gilt auch Flensburg: Unter den 120 untersuchten Städten landet die Stadt an der dänischen Grenze immerhin auf Platz 25, weil sich hier 195 Kunden um den Gang zum Kassenhäuschen drückten – hochgerechnet sind das zehn pro Tankstelle. In Neumünster sind es neun. Während Kiel und Lübeck mit jeweils sieben Fällen pro Tankstelle und Jahr im großem Mittelfeld landen, glänzt Heide mit dem Prädikat „ehrlichste Autofahrer“. In der Stadt in Holstein meldeten die elf Tankstellen im Ort ganze 14 Betrüger, was nur noch von der der baden-württembergischen Stadt Aalen unterboten wird.

Die Zahlen zeigen jedoch nur die Spitze des Eisberges: Der Zentralverband des Tankstellen- und Garagengewerbes geht davon aus, dass nur 20 Prozent der Betrugsfälle angezeigt werden. Das liegt unter anderem daran, dass besonders freie Tankstellen sich kaum teuere Videoanlagen leisten können und den bürokratischen Aufwand einer Anzeige scheuen. Peter Willer aus Kiel – mit 25 Tankstellen im Norden einer der Großen – hat die Zahl der Betrugsfälle in seinem Tank-Imperium zuletzt kontinuierlich drücken können. Sein Rezept: „Kameraüberwachung, geschultes Personal, das genau beobachtet, und jeden Fall anzeigen und ernsthaft verfolgen“. Allerdings liegt die Aufklärungsquote bundesweit nur bei 43 Prozent wobei es in Kiel (76 Prozent) deutlich besser aussieht.

Die Tricks der Betrüger: Sie fahren mit gefälschten oder gestohlenen Kennzeichen. Wenn sie zudem noch mit Schal, tief in das Gesicht gezogener Mütze und Sonnenbrille bekleidet sind, ist die Chance, sie zu erwischen, gleich Null. Von denen, die dennoch gefasst wurden, waren 78 Prozent Männer, die meisten in der Gruppe der 30- bis 50-Jährigen. Betrügerische Senioren, die nach dem Motto „vorfahren, tanken und flüchten“ handeln, sind mit 11,2 Prozent in der Minderheit. Interessant auch: Betrüger bedienen sich mit Vorliebe an den Tankstellen in nahen Umkreis ihres Wohnsitzes. Lange Fahrten scheuen sie offenbar.

 

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erstellt am 11.Aug.2014 | 12:05 Uhr

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