Ferienjobs in SH : Im Sommer kellnern statt feiern

Die Zahl der Ferienjobs nimmt ab – doch in SH bietet das Gastgewerbe jungen Leuten immer noch viele Chancen, ihre Kasse aufzubessern.

shz.de von
02. Juni 2014, 19:33 Uhr

Kiel | Rund 11.000 junge Schleswig-Holsteiner haben in diesen Tagen ihre Abiturprüfung abgelegt. Jetzt wird gefeiert. Einige Klassen machen noch gemeinsam Party an den Stränden des Mittelmeers.

Und dann? Viele junge Leute nutzen die Zeit bis zum Studienbeginn im Herbst, um ein paar Monate zu jobben. Gute Gründe dafür gibt es genug: die Urlaubskasse für die geplante Weltreise auffüllen, erste Berufserfahrungen sammeln, Geld für die erste Wohnungsausstattung im neuen Studienort verdienen. Zwar sind nach Aussage der Arbeitsagentur Ferienjobs nicht mehr so reichlich gesät wie früher, weil vielen Chefs die Einarbeitung der Kurzzeitarbeitskräfte zu teuer ist. Doch wer bereit ist, im Strandcafé zu kellnern, Eis zu verkaufen oder für Kurverwaltungen, Hotels und Campingplätze bei der Gästeanimation mitzumachen, findet einen Job an Nord- oder Ostsee.

Allerdings sollten die frisch gebackenen Abiturienten sich intensiv mit Themen wie Lohnsteuer, Sozialabgaben und Steuererklärung beschäftigen. Und die noch nicht volljährigen Schulabgänger sollten auch das Jugendarbeitsschutzgesetz beachten. „Das hört sich meist komplizierter an als es ist“, beruhigt Michaela Zientek, Juristin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet 17-Jährigen schwere körperliche oder gefährliche Arbeit. Dazu zählen das Tragen von schweren Gegenständen, das Hantieren mit Chemikalien oder Akkordarbeit. Die Arbeitszeit von acht Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche darf nicht überschritten werden, auch nicht der Arbeitszeitraum zwischen 6 und 20 Uhr. Ausnahme: In der Gastronomie dürfen 17-Jährige bis 22 Uhr und in mehrschichtigen Betrieben bis 23 Uhr arbeiten. Zientek ergänzt: „Samstags und sonntags gilt ein Beschäftigungsverbot, doch auch hier gibt es Ausnahmen, etwa im Gaststätten- und Schaustellergewerbe, in Krankenhäusern und im Verkauf – zum Beispiel in einer Bäckerei.“ Auch für Sportveranstaltungen gibt es Ausnahmen.

Wichtig: Ein Ferienjob für angehende Studenten ist von Sozialabgaben nur befreit, wenn es sich um eine „geringfügige Beschäftigung“ handelt. Das sind die sogenannten Minijobs. Sie unterteilt man in geringfügig entlohnte und kurzfristige Beschäftigungen. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ist eine mit bis zu 450 Euro bezahlte Tätigkeit. Eine kurzfristige Beschäftigung ist ein Aushilfsjob, der auf maximal zwei Monate oder 50 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt ist. Eine kurzfristige Beschäftigung gilt zusätzlich nur dann als geringfügig, wenn die Bezahlung entweder unter der 450 Euro-Grenze bleibt oder der Job nicht „berufsmäßig“ ausgeübt wird. „Das bedeutet, die Sicherung des Lebensunterhalts darf nicht allein durch diese einzelne Tätigkeit stattfinden“, erklärt die Juristin. Vorsicht ist bei mehreren Minijobs geboten: Die Einnahmen und Arbeitsstunden werden innerhalb der Bereiche „geringfügig bezahlte“ und „kurzfristige Minijobs“ jeweils zusammengezählt und dürfen insgesamt die jeweiligen Grenzen nicht überschreiten! Diese Jobs haben für Abiturienten den Vorteil, dass sie weiterhin bei ihren Eltern krankenversichert sein können.

Wer mehr als bei einem 450-Euro-Job verdient , muss Sozialabgaben wie Arbeitslosen-, Pflege-, Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Zudem geht die Lohnsteuer vom Gehalt ab. „Das gilt übrigens auch für ein Praktikum“, ergänzt die Juristin. „Allerdings erhält man das Geld in der Lohnsteuererklärung später wieder zurück, solange das Einkommen unter dem Freibetrag von 8354 Euro im Jahr bleibt.“ Gut zu wissen: Bis 2012 galt für jobbende Jugendliche auch noch eine Einkommensgrenze, oberhalb der das Kindergeld entfiel. Diese Grenze gibt es nicht mehr.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert