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Prokon in Itzehoe : Hoffen, Bangen und der Applaus der Mitarbeiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lange war die Führung der insolventen Prokon abgetaucht. Am Donnerstag stellte sie sich in einer werkseigenen Halle vor Windturbinen der Öffentlichkeit - und den eigenen Mitarbeitern.

Itzehoe | Unterschiedlicher könnten die zwei Hauptakteure nicht aussehen: Auf der einen Seite der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Im dunklen Anzug tritt der Sohn eines ehemaligen Itzehoer Amtsrichters auf, weißes Hemd, rote Krawatte, korrekter Haarschnitt.

Daneben Prokon-Chef Carsten Rodbertus im bekannten Guru-Look: Silbergraue Haare, zum langen Zopf gebunden, blaue Monteursjacke mit Prokon-Aufnäher. Schuhe hat er diesmal an, zur Pressekonferenz in der kalten Itzehoer Werkshalle, in der imposante Windanlagenteile im Dutzend herumstehen. Hier ist eine Firma mit echten Werten. Die Botschaft kommt an.

Rodbertus ist nach wie vor der Held seiner versammelten Mitarbeiter, die in dreistelliger Zahl erschienen sind, teilweise mit kleinen Babys im Arm. Als er seine Presseschelte der vergangenen Monate nicht wiederholt, nur andeutet, gibt es donnernden Applaus der Prokonianer. Dass sie die Meute aus einem Dutzend Fernsehsendern, Vertretern aller überregionalen Zeitungen und auch der ungeliebten Stiftung Warentest heute hier ertragen müssen, bereitet nicht nur bei Rodbertus sichtbares Unwohlsein. Dann die Neuigkeit, auch für viele der Mitarbeiter: Rodbertus hat keinen Antrag auf Planinsolvenz gestellt. Das war angekündigt und hätte ihm ermöglicht, auch in einem Insolvenzverfahren Teil der Geschäftsleitung zu bleiben. „Ich würde natürlich auch weitermachen“, sagt er, habe aber Bedenken wegen möglicher Anfeindungen.

480 Mitarbeiter sind von der Insolvenz als Angestellte der Prokon Regenerative Energien, die den Insolvenzantrag gestellt hat, unmittelbar betroffen. Ihre Gehaltszahlungen sind aus Insolvenzgeld drei Monate gesichert, betont Rechtsanwalt Penzlin.

Dann wieder Rodbertus: „Wir werden transparent mit Herrn Penzlin und seinen Mitarbeitern zusammenarbeiten.“ „Transparent“, ein Lieblingswort von ihm. Aus der Belegschaft brandet Applaus auf. Zufriedene Gesichter, als er von Gesprächen mit möglichen Käufern von Windanlagen spricht. Und Stolz, als er Mitarbeiter lobt, die in den vergangenen zwölf Tagen jeweils zwölf Stunden gearbeitet haben.

Aber auch Penzlin gewinnt die Herzen der Mitarbeiter. Er halte es für möglich, dass Prokon gar nicht insolvent ist, weil die Ansprüche der Genussscheininhaber nachrangig sind und möglicherweise keinen Insolvenzgrund auslösen. Das müsse nun geprüft werden. „Der Insolvenzantrag würde dann aufgehoben. Aus Sicht der Belegschaft ein gewünschtes Ergebnis.“ Und dann bekommt er ihn auch, den Applaus.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 14:16 Uhr

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