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Hochschule in Not: Kieler Uni überlegt Zugangsbeschränkungen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schulen haben sich über den unerwarteten Geldsegen gefreut. Die Hochschulen im Lande sind hingegen immer noch verärgert, dass sie von den 35 Millionen Euro eingesparten BafögMitteln nicht profitieren. Das vorhandene Geld reiche bei weitem nicht, um den Studierendenansturm „zu bewältigen und die Qualität der Ausbildung am Standort zu sichern“, beklagt der Präsident der Kieler Universität Lutz Kipp. Schon in diesem Wintersemester sei die Uni mit 5000 Erstsemestern vor eine große Herausforderung gestellt worden, mit Blick auf den doppelten Abiturientenjahrgang, der 2016/17 auf die Hochschulen stürmt, wird dem Präsidenten offensichtlich Angst und Bange. Dann rechne er mit rund 7000 neuen Studierenden. „Wir brauchen an der CAU etwa 200 Stellen, sonst müssen wir über flächendeckende Zugangsbeschränkungen nachdenken“. Abiturienten des Jahrgangs 2016 würden dann mit großer Wahrscheinlichkeit zum Studium in andere Bundesländer ausweichen müssen, prophezeit Kipp. „Und wir werden als Land viele junge Talente verlieren.“ Frei werdende BAföG-Mittel müssten deshalb auch an die Hochschulen gehen.

Wie berichtet übernimmt der Bund die Kosten für die Förderung bedürftiger Studenten (Bafög). Bislang musste die Finanzministerin in Kiel dafür 35 Millionen pro Jahr locker machen.

Auch die Opposition aus CDU, FDP und Piraten beklagt, dass das ganze Geld jetzt in die Schulen und die Verbesserung der Unterrichtsversorgung gesteckt wird. „Seit Jahren ist klar, dass die doppelten Abiturjahrgänge an die Unis strömen werden. SPD, Grüne und SSW tun nichts, um unsere Hochschulen zu unterstützen“, erklärte gestern Volker Dornquast, hochschulpolitischer Sprecher der Union im Landtag. Dornquast fordert, die vom Bund bereitgestellten Mittel in wesentlichen Teilen an die Hochschulen weiterzuleiten. Die Piraten fordern: 18 Millionen müssten an die Hochschulen umgeleitet werden, um deren strukturelle Unterfinanzierung zu korrigieren. Die CDU hat darüber hinaus einen schriftlichen Bericht der Landesregierung über die Entwicklung der Studierendenzahlen im Norden angefordert. Zuvor hatten die Studenten Alarm geschlagen und darauf hingewiesen, dass die Uni mit nunmehr 25000 Studierenden die Grenze der Belastbarkeit erreicht und in einigen Bereichen schon überschritten habe. So wird über massive Kapazitätsprobleme geklagt: Es gebe nicht genug Sitzplätze in den Hörsälen und nicht genügend Bücher in den Bibliotheken. Erst kürzlich musste eine Vorlesung bei den Betriebswirten wegen Überfüllung abgebrochen werden. Jetzt gibt es zwei Vorlesungstermine, die mit vorhandenem Personal abgedeckt werden müssen.

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