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314 Planstellen : Hilfe für Lehrer: Die Schulassistenten kommen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ist Teil des neuen Inklusionskonzeptes: Bildungsministerin Wende will Assistenten für die Grundschulen im Land.

Kiel | Die Schule ist ein Haus, in dem Schüler von Lehrern unterrichtet werden – dieses Bild ist längst überholt. Heute gibt es in den Schulen Sozialarbeiter und Schulbegleiter. Und künftig auch Schulassistenten. Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) schafft für diese neue Berufsgruppe 314 Planstellen. Bezieht man Halbtagsstellen mit ein, wird jede der 396 Grundschulen im Norden künftig einen Schulassistenten bekommen. Die Küstenkoalition hat dafür 13,2 Millionen Euro im Haushalt eingestellt, wie Wende gestern im Landtag bekannt gab. „Die Assistenten, die nach den Sommerferien 2015 in die Schulen kommen, sollen helfende Hände sein, die die Lehrer im Schulalltag unterstützen“, umschreibt die Ministerin deren Aufgabe.

Offiziell sind die Assistenten zwar Teil von Wendes Inklusionskonzept. Sie sollen sich aber um alle Lerngruppen kümmern, also auch um die nicht behinderten Kinder. Ihre Aufgabe ist es, Lehrer im Schulalltag zu unterstützen, Projekttage zu organisieren, Schulwanderungen zu begleiten und sich an der innerschulischen Förderung junger Menschen zu beteiligen. „Sie geben aber keinen Unterricht und keine Note“, stellt Ministeriumssprecherin Patrizia Zimnik klar. Wer sich auf eine Planstelle, die den Steuerzahler pro Jahr jeweils 42.000 Euro kosten wird, bewerben kann, steht noch nicht fest. „Das wird demnächst mit allen Betroffenen diskutiert“, so Zimnik. In Frage kommen etwa Erzieher, Heilpädagogen oder Tagesmütter.

Das ist der Opposition zu vage: Die CDU vermisst klare Angaben über Qualifikation und Einsatzbereich, gerade vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Inklusion. „Diese Assistenten können die Fachlichkeit von Sonderpädagogen nicht ersetzen. Das ist Sonderpädagogik light“, fürchtet die Bildungsexpertin der Union Heike Franzen.

Auch der Landeselternbeirat der Grund- und Förderschulen ist skeptisch. „Da bleiben viele Fragezeichen offen“, erklärte die Vorsitzende Katrin Engeln. Angesichts der zusätzlichen Aufgaben brauchten Schulen mehr statt weniger Qualifikation.

Zwar begrüßt Engeln, dass zusätzliche Mittel in die Bildung fließen. Glücklich über die Verwendung ist sie aber nicht. Sie befürchtet ein Kompetenzwirrwarr, weil das Land nicht selbst die Trägerschaft für die Schulassistenz übernehmen will, sondern diese – ähnlich wie bei der betreuten Grundschule – Vereinen oder Wohlfahrtsverbänden überträgt. Schon heute berichten laut Engeln Lehrer immer wieder über Unruhe in den Klassen, die durch die Schulbegleitung einzelner Kinder verursacht wird. „Wenn jetzt zusätzlich noch Schulassistenten im Unterricht präsent sind, wird das noch schlimmer“. Die Kommunikation an den Schnittstellen des pädagogischen Netzwerks sei kompliziert genug.

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erstellt am 11.Sep.2014 | 11:58 Uhr

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