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Heute Bischofswahl – auf den Gewinner warten viele Herausforderungen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wenn heute um 15.30 Uhr die Glocken des Schleswiger Doms erklingen, wird es ernst für Elfriede Knotte und Gothart Magaard. Denn dann nehmen die 156 Mitglieder der Synode der Nordkirche im altehrwürdigen Gotteshaus ihre Plätze ein: Mit einem Gottesdienst beginnen sie die Wahl des Bischofs im Sprengel Schleswig und Holstein, dem mit mehr als einer Million Gemeindegliedern und 365 Kirchengemeinden größten Teilbereich der Nordkirche. Die Neuwahl ist nötig, weil der bisherige Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich im vergangenen Jahr bekanntlich zum Landesbischof wurde, und deswegen im August von der Schlei nach Schwerin gezogen ist.

Damit es am Ende einen Bischof gibt, müssen Knotte oder Magaard mindestens 79 Stimmen erhalten, unabhängig davon, wie viele Kirchenparlamentarier heute anwesend sind. Vor allem die Delegierten aus Mecklenburg und Pommern dürften den weiten Weg nach Schleswig scheuen, aber auch mancher Hamburger oder Lauenburger wird sich fragen, ob er bei einer Bischofswahl heute Abend anschließend noch nach Hause kommt. Dabei sind die Herausforderungen, vor denen die bisherige Bad Gandersheimer Pröpstin Knotte und der ständige Bischofsvertreter Magaard im Fall einer Wahl stehen, mittlerweile in allen Teilen der Nordkirche ähnlich.

Denn auch in Schleswig-Holstein lässt der demographische Wandel die Kirchengemeinden schrumpfen. Weswegen sich mittelfristig Veränderungen abzeichnen: Nicht mehr überall wird die Evangelische Kirche alle Angebote machen können, nicht mehr in jeder Gemeinde kann es künftig Konfirmandenunterricht, Orgelkonzerte oder einen Frauenkreis geben. Konzentrationsprozesse und Prioritätensetzungen werden in den nächsten Jahren wichtiger werden. Und die neue Bischöfin oder der neue Bischof wird als Vertreter der Kirchenleitung im Sprengel solche Vorgänge moderieren und den Menschen an der Basis vermitteln müssen, dass auch im eigenen Dorf Veränderungen anstehen.

Gleichzeitig muss die Kirche darum ringen, ihren öffentlichen Einfluss nicht weiter zu verlieren. Die Debatten um das Tanzverbot am Karfreitag und den Sonntagsverkauf in den Tourismusorten haben in den letzten Jahren eindrücklich gezeigt, dass die Kirche selbst bei Kernthemen wie dem Schutz der christlichen Feiertagen und des Sonntags nur noch eine Stimme unter vielen ist. Aber eine, die die Zeichen der Zeit oft früh erkennt: Die Nordkirche gehörte zu den ersten Unterstützern der St. Pauli-Flüchtlinge in Hamburg. Und es war Gothart Magaard, der sich schon 2010 zusammen mit den entsprechenden Berufsverbänden für die Zukunft der freiberuflichen Hebammen im Land engagierte und damit ein Thema setzte, das bis heute auf der politischen Tagesordnung steht. Dort bleiben werden auch zwei andere Dauerbrenner aus dem Verhältnis zwischen Staat und Kirche: Die Zukunft des Religionsunterrichts in einer Zeit, in der auch Muslime und Konfessionslose immer vehementer eigene Angebote an den Schulen fordern. Und die Staatsleistungen für die Kirchen, die dem Grundgesetz zufolge durch eine staatliche Einmalzahlung abgelöst werden sollen – bei denen Staat und Kirche aber schon aus finanziellen Gründen nur wenig Wert auf ernsthafte Verhandlungen legen.

Für die neue Bischöfin oder den neuen Bischof jedenfalls bleibt viel zu tun, ganz unabhängig davon, wer am späten Abend die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigen kann.


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