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Hamburgs Esso-Häuser: Nachbarn wollen mitreden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Den Abriss können sie nicht verhindern, doch nun will die Esso-Häuser-Initiative auf St. Pauli bei der Neubebauung des lukrativen Grundstücks nahe der Reeperbahn ein gehöriges Wörtchen mitreden. „Die Situation ist dramatisch“, sagte Sprecher Christoph Schäfer gestern. Das gelte für die evakuierten Ex-Bewohner der Kiezhochhäuser, aber auch für die anderen Bürger in dem sich stark wandelnden Vergnügungsviertel. Schäfer und seine Mitstreiter aus anderen Stadtteilgruppen fordern von der Stadt eine weitreichende Bürgermitwirkung, wie es sie in Hamburg noch nicht gegeben hat: „Der Bezirk und die Stadt haben jetzt die Chance, ein städteplanerisches Modellprojekt mit Signalwirkung auf den Weg zu bringen: An der Reeperbahn könne mit Beteiligung des Stadtteils etwas sozial Beispielhaftes entstehen.

Die Anwohner-Initiative möchte an den Planungen für das Areal bereits vor dem städtebaulichen Wettbewerb beteiligt werden. Schon dort würden die entscheidenden Weichen gestellt. „Es geht um echte partizipatorische Planung, nicht um Beteiligungsshow.“ Der Eigentümer des Kiez-Filetstücks, die Bayerische Hausbau, will sich aber nicht in ihre Planungen reinreden lassen. Aktuell wehren sich die Münchner gegen die Forderung des Bezirks Mitte, in den geplanten Neubauten zur Hälfte Sozialwohnungen zu schaffen. Die Bayerische Hausbau besteht auf einem Anteil von höchstens 30 Prozent geförderten Wohnraums. Die maroden Esso-Häuser waren im Dezember wegen akuter Einsturzgefahr geräumt worden. Nach dem Abriss will der Investor an der Stelle einen Gebäudekomplex mit doppelter Wohnungszahl sowie Büro -und Ladenflächen schaffen. Wegen des Streits um die Sozialwohnungen hat er die Abbrucharbeiten gestoppt und droht, die Fläche brachliegen zu lassen.

Den Kritikern ist das Konzept der Bayern deutlich zu kommerziell. Sie sehen die Esso-Häuser als Symbol „für den Ausverkauf innerstädtischer Wohnquartiere an profitorientierte Immobilienunternehmen“. Bei der Neubebauung gehe es um die Entscheidung: „Todesstoß oder eine gelungene Kehrtwende in der Entwicklung St. Paulis.“ Der aufzustellende Bebauungsplan sei mithin „von allerhöchstem öffentlichem Interesse“. Die Beteiligung der Bürger berge nun die Chance, „etwas Glamouröses, etwas Aufwertungsentschleunigendes und langfristig Interessantes zu schaffen“, sagte Schäfer, der bereits als Mitinitiator des Bürgerprojekts Park-Fiction auf St. Pauli aktiv war.

Konkret möchte die Initiative eine „Plan-Bude“ am Spielbudenplatz errichten, in dem Bürger ihre Vorschläge für das Esso-Gelände einbringen können. Am Ende des Diskussionsprozesses wollen die St. Pauli-Aktivisten an einem Runden Tisch mit den Behörden schließlich für die Ausschreibung Form und Nutzung der neuen Gebäude festlegen. Die Bayerische Hausbau wäre nach dem Vorschlag an dieser Meinungsfindung nicht beteiligt. Der Investor, so Schäfer treuherzig, biete sich doch die Gelegenheit, mit einem „hervorragenden, sozial abgefederten, super interessanten Projekt ins Gerede zu kommen, an dem man halt nicht so viel verdient“.

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