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Hamburgs bescheidene Anfänge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die heutige Hansestadt war keine Gründung von Kaiser oder Bischof: Die Hammaburg entstand als Handelsplatz an der Elbe

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 12:50 Uhr

Jetzt hat die Stadt der „Pfeffersäcke“ die passende Gewissheit über ihre Herkunft – und zwar mit Brief und Siegel der Wissenschaft: Die Hammaburg, Hamburgs Keimzelle im frühen Mittelalter, war von Beginn an ein Platz des Warentauschs. „Bischof Ansgar wurde 832 in eine bestehende Handelsstadt entsandt“, sagte der Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Rainer-Maria Weiss, gestern. Nach Auswertung umfangreicher Grabungsfunde haben er und seine Kollegen nicht nur den Domplatz in der City als den lange gesuchten Standort der Hammaburg identifiziert. Sie schreiben nun auch die Frühgeschichte der Stadt um. Denn entgegen bisheriger Vermutungen war die damalige Siedlung mit ihren nur 100 bis 200 Bewohnern weder eine bischöfliche noch eine kaiserliche Gründung. Als letzten Beleg dafür wertet Weiss die Erkenntnis, dass die Kirche von Bischof Ansgar nicht innerhalb der Doppelkreisanlage gelegen haben kann. Das Gotteshaus des Missionars vermuten die Archäologen jetzt einen Tick weiter nördlich, außerhalb der Ringwalls auf dem Gelände der Petrikirche an der Mönckebergstraße.
Nach der letzten großen archäologischen Ausgrabung auf dem Domplatz 2005/2006 hatten die Fachleute noch resignierend vermeldet, keine Beweise für die Existenz der Hammaburg an dieser Stelle entdeckt zu haben. Wie berichtet, haben Weiss und Kollegen diese Ansicht kürzlich komplett revidiert. Nach Auswertung jahrelanger, akribischer Analysen von Holzresten und anderer Funde im Erdreich unterhalb des Domplatzes stand fest: Es gibt dort sehr wohl Reste der Hammaburg, sie datieren aber bereits aus dem 8. Jahrhundert. Hamburgs Ursprungs-Siedlung ist mithin etwas älter als stets vermutet. Bisher ging man davon aus, dass sie um 815 errichtet und mit der Ankunft Ansgars 832 aufgewertet wurde. Weiss weiß nun: „Karl der Große hat keine Karte gezückt und gesagt: Hier baut ihr die Hammaburg.“ Auch Ansgar habe diese nicht gegründet. Die Hammaburg sei vielmehr eine von mehreren kleinen Siedlungen der Zeit gewesen. Erstmals passten nun das Alter der Grabungsstücke und die schriftlichen Quellen zusammen. Weiss: „Das Puzzle ist zusammengesetzt.“
Von der lang ersehnten Entdeckung ihrer eigenen Geschichte können sich die Hamburger bald selbst ein Bild machen. Ab dem 30. Oktober zeigt das Archäologische Museum in Harburg (Museumsplatz 2) die Sonderausstellung „Mythos Hammaburg“. Erstmals wird dabei die früheste Stadtgeschichte umfassend dargestellt, mit Fokus auf die Spanne vom 8. bis 10. Jahrhundert. Die Schau beleuchtet die Abfolge der verschiedenen Befestigungsanlagen, den Heidenwall sowie die Neue Burg, außerdem verschiedene Bauphasen des Domes. Zu sehen sind bisher nicht öffentlich gezeigte Grabungsfunde vom Domplatz, ergänzt um Leihgaben anderer Museen, aus Archiven und Kirchen.

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