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Landwirtschaft : Hamburg will seine Bauern stärken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landwirte mussten bislang wegen Ausgleichsflächen bei Baumaßnahmen bluten – Wirtschaftssenator Frank Horch will ihnen jetzt entgegenkommen.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 13:42 Uhr

Hamburg | Hamburg – das ist keineswegs nur Industrie, Hochhaussiedlungen, Straßen. Auch in der Millionenstadt wird gepflügt, gesät und geerntet. Immerhin 685 landwirtschaftliche Betriebe gibt es an Alster und Elbe, etwa die Hälfte davon baut Obst, Gemüse und Blumen an und kultiviert Bäume. 3340 Menschen finden auf den Höfen der Hansestadt Lohn und Brot. Wirtschaftlich ist es zwar ein Nischensektor, dennoch birgt Hamburgs Landwirtschaft seit einigen Jahren manches an Zündstoff. Der Bauernverband klagt zunehmend lauter, die wachsende Stadt mit ihrem „Flächenfraß“ dränge die letzten Bauern von der Scholle.

Nun will der Senat gegensteuern und hat dazu gestern erstmals ein agrarpolitisches Konzept vorgelegt. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos): „Der Senat bekennt sich zu diesem Sektor. Wir wollen die Vielfalt der Hamburger Agrarwirtschaft erhalten.“ Vor allem aber soll das 52 Seiten umfassende Werk den heiklen Dreieckskonflikt Landwirtschaft-Wirtschaft-Natur lösen helfen. Die angekündigten Maßnahmen reichen von intensiverer Beratung und Weiterbildung über ein verbessertes Waldmanagement bis hin zu angewandter Forschung, etwa bei der Bekämpfung neuer Pflanzenschädlinge.

Schwerpunkt der Agrarpolitik ist aber die Neuregelung der Flächennutzung. Der Großteil der 14.000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen gehört der Stadt selbst und ist an die Bauern nur verpachtet. Immer wieder greift Hamburg auf diese Areale zurück, um den gesetzlich vorgeschrieben Naturausgleich bei größeren Baumaßnahmen zu schaffen. Zuletzt hatten aufgebrachte Landwirte gegen Pläne des Bezirks Altona protestiert, die Kompensation für den A7-Ausbau auf Agrarflächen im Bereich Rissen vorzunehmen.

An dieser Praxis will der Senat grundsätzlich zwar festhalten, da im Stadtstaat nur begrenzte Potenziale für solche Kompensationsmaßnahmen bestünden. Zugleich sieht das Konzept aber vor, die Inanspruchnahme von Agrarflächen für diesen Zweck nach Möglichkeit zu verringern. Gelingen soll das vor allem durch ein „Ökokonto“, auf dem sich die Stadt allerlei Einzelmaßnahmen mit positivem Effekt für die Natur gutschreiben will. Werden für ein Projekt Ausgleichsflächen benötigt, sollen diese dank des angesammelten Öko-Guthabens kleiner ausfallen dürfen. Auch will der Senat anderweitige Aufwertung von Natur, wie etwa bei der Renaturierung von Gewässern künftig als Ökoausgleich anrechnen.

Der Naturschutzbund (Nabu) reagierte mit scharfer Kritik. „Statt die bisher schon schwache Ausgleichsregelung für Naturverluste weiter zu schwächen und Hamburgs Naturqualität zu gefährden, hätte der Senat ein Programm für den Erhalt der Artenvielfalt im ländlichen Raum auflegen müssen“, sagte Nabu-Chef Alexander Porschke. Die Populationen von Wiesenvögeln würden dadurch noch weiter zurückgehen. Porschke: „Die Leidtragenden werden wieder Kiebitz und andere typische Vögel der Agrarlandschaften sein.

Weiterer Schwerpunkt des Agrarkonzepts ist die Förderung der Biolandwirtschaft. Bisher wirtschaften lediglich 34 Betriebe nach ökologischen Prinzipien, dazu zwei Bio-Imker. Horch: „Wir wollen den Anteil der biologisch bewirtschafteten Fläche im Hamburger Teil des Alten Landes von jetzt zehn Prozent auf 25 Prozent steigern.“ Diese sogenannte dritte Meile des Obstanbaugebiets soll zur Bio-Region aufsteigen. Unterstützen will die Stadt dies unter anderem durch eine höhere Flächenförderung.

Schließlich verspricht der Senat auch, die Vermarktung regionaler Agrarprodukte für die gesamte Metropolregion anzukurbeln. Der Wirtschaftssenator: „Wir haben das klare Ziel, den Absatz solcher Produkte deutlich zu steigern.“

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