Hamburg testet neuen Super-Asphalt

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21. August 2012, 01:14 Uhr

Hamburg | Straßen sind ein Inbegriff für Autoverkehr - und damit für Luftverschmutzung. Hamburg dreht den Spieß nun um und will ausgerechnet Straßen dank eines neuartigen Belages zur Verringerung von Abgasen einsetzen. Kommende Woche beginnt an der Elbe ein deutschlandweit einzigartiger Pilotversuch, bei dem ein speziell präparierter Asphalt Stickoxide (NO) aus Auspuffrohren in harmloses Nitrat umwandelt. Die Herstellerfirma Eurovia spricht von einer Reduzierung bodennaher Stickoxide um bis zu 30 Prozent.

Das Bundesanstalt für Straßenwesen hat Hamburg auch deshalb zum Testgebiet erkoren, weil die Stadt seit Jahren die NO-Richtwerte deutlich überschreitet und sich einem Bußgeldverfahren der EU ausgesetzt sieht. Auch wenn ein erheblicher Teil der Stickoxid-Emissionen in Hamburg aus Schiffsmotoren stammt, so ist Umweltbelastung doch an den vielbefahrenen Straßen der Metropole am größten. Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) atmet auf: "Hamburg ist Vorreiter beim innovativen Straßenbau und unterstützt das Pilotprojekt zur Reduzierung von Stickoxid im Straßenraum ausdrücklich."

Stickoxide entstehen unter anderem beim Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Benzin und Diesel. Die gasförmigen Stoffe gelten in vielerlei Hinsicht als problematisch. Vor allem Stickstoffdioxid (NO2) kann bei Menschen die Atemwege reizen und schädigen. Auch die Umwelt leidet erheblich: Stickoxide spielen eine Rolle beim Entstehung von saurem Regen, Ozon und Smog; auch sind NO als Treibhausgase mitverantwortlich für die Erderwärmung.

Zumindest ein wenig Abhilfe soll nun der neue Wunder-Straßenbelag bringen. Dessen Wirkung beruhe auf einer photokatalytischen Reaktion und sei im Labor und auf Straßen in Frankreich bereits erfolgreich erprobt sei, sagte eine Sprecherin des Verkehrssenators. Dazu braucht es offenporigen Asphalt, in den Titandioxid (TiO2) eingeschlemmt wird. Geraten Stickoxide in Kontakt mit Titandioxid verwandeln sie sich unter Einwirkung von Sonnenlicht in Nitrat. Dieses, so die Sprecherin, werde "in unschädlichen Mengen" mit dem Regenwasser von der Straße gespült.

Getestet wird der Öko-Asphalt auf einem 100 Meter langen Abschnitt der A 7 (zwischen Moorburg und Waltershof, Richtung Norden) sowie am Krohnstiegtunnel (Langenhorn), der den Flughafen mit der A 7 verbindet. Verläuft die auf ein Jahr angelegte und 500 000 Euro teure Pilotphase erfolgreich, soll der neue Straßenbelag bei der Verbreiterung und Überdeckelung der A 7 nördlich des Elbtunnels zum Einsatz kommen.

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