Hagenbeck - Richter beruft Doppelspitze ab

 <strong>Claus Hagenbeck (li.):</strong> Der  71-Jährige hatte vor einem Jahr wieder die Geschäftsführung eingenommen. Der 56-Jährige Joachim Weinlig-Hagenbeck  ist der Kontrahent in der Hagenbeck-Doppelspitze.
Claus Hagenbeck (li.): Der 71-Jährige hatte vor einem Jahr wieder die Geschäftsführung eingenommen. Der 56-Jährige Joachim Weinlig-Hagenbeck ist der Kontrahent in der Hagenbeck-Doppelspitze.

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18. Mai 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Beide Geschäftsführer des Tierparks Hagenbeck müssen ihre Posten räumen. Das Landgericht Hamburg berief Claus Hagenbeck und seinen angeheirateten Neffen Joachim Weinlig-Hagenbeck gestern aus der traditionellen Doppelspitze ab, erklärte eine Sprecherin des Gerichts. Das Verhältnis sei so zerrüttet, dass die Geschäftsführer nicht mehr zusammen arbeiten könnten, habe der Vorsitzende Richter Klaus Nevermann entschieden.

Das Zerwürfnis hatte das Gericht seit mehr als einem Jahr beschäftigt. Gemäß Gesellschaftervertrag stellen beide Familienzweige je einen gleichberechtigten Geschäftsführer. Nach einem Streit über den Umgang mit offenen Forderungen der Stadt Hamburg in Höhe von zwei Millionen Euro hatte Claus Hagenbeck im März 2012 den Platz seines Schwiegersohns in der traditionellen Doppelspitze eingenommen.

Seitdem versuchten er und Joachim Weinlig-Hagenbeck sich gegenseitig aus der Geschäftsführung abzuberufen. Öffentlich und vor Gericht gaben sie jeweils dem anderen die Schuld am Streit. Eine außergerichtliche Einigung zwischen dem Senior und seinem angeheirateten Neffen war im vergangenen Jahr gescheitert.

Richter Neverman nannte unter anderem die "öffentlich ausgesprochenen wechselseitigen Beschuldigungen" sowie die "unzureichenden Informationen im Anschluss an erste Presseveröffentlichungen" als Ursache für das Zerwürfnis. Beide Seiten hätten wesentlich zu dem zerrütteten Verhältnis beigetragen. Es seien viele kleine Mosaiksteine, sagte Nevermann.

Die Familienstränge müssen nun neue Geschäftsführer benennen - Claus Hagenbeck und Joachim Weinlig-Hagenbeck dürfen nach der Entscheidung des Gerichts nicht wieder eingesetzt werden. Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann ein Geschäftsführer abberufen werden, wenn die weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Das sei auch dann möglich, wenn er selbst nicht Schuld an dem Zerwürfnis ist, erklärte die Gerichtssprecherin. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig: "Noch haben beide Seiten die Möglichkeit, sich anderweitig zu einigen."

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