Vorbild Nordfriesland : Gutschein-Kastration gegen Katzenplage in SH?

Wildlebende Katzen sind nach Meinung des Umweltausschusses des Landtages ein Problem. Eine Landesförderung zur Kastration könnte die Plage bekämpfen.
Wildlebende Katzen sind nach Meinung des Umweltausschusses des Landtages ein Problem. Eine Landesförderung zur Kastration könnte die Plage bekämpfen.

Mehr als 75.000 herrenlose Katzen leben in Schleswig-Holstein - und vermehren sich. Zuschüsse für die Kastration haben im Kreis Nordfriesland Erfolg gezeigt. Jetzt soll geprüft werden, ob das Projekt in ganz SH verpflichtend wird.

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05. März 2014, 20:01 Uhr

Kiel | Vorweg: Anders als in der Landtagsdebatte Ende November 2013 wurde gestern das Thema von allen Parteien sehr ernst genommen: Wildlebende Katzen sind in Schleswig-Holstein ein Problem. Darin waren sich die Politiker des Umweltausschusses des Landtags, der jetzt Experten zu diesem Thema anhörte, gestern einig. Nach Angaben von Holger Sauerzweig-Strey vom Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes leben 75.000 bis 80.000 herrenlose Katzen in Schleswig-Holstein. Jede frisst etwa 25 Vögel pro Jahr. Zudem stellen die Tiere auch ein hygienisches Problem dar – „Katzen lieben, genauso wie Kinder, Sandkisten“, gab Martin Koch vom Bund praktizierender Tierärzte zu bedenken.

Das Thema „Katzenplage in Schleswig-Holstein“ war von der Piraten-Abgeordneten Angelika Beer und ihrer Fraktion bereits vor anderthalb Jahren auf die Tagesordnung gebracht worden. Die Fraktion will eine Landesförderung für Katzenkastrationen erreichen. Allerdings: 250.000 Euro für sozialschwache Katzenbesitzer und noch einmal dieselbe Summe für die Kastration wildlebender Katzen – „das wird es bei aller Einsicht nicht geben“, signalisierte die SPD-Abgeordnete Sandra Redmann.

Dennoch: Sowohl Tierärzte wie auch Tierschützer waren sich mit Vertretern der Kommunen einig: „Mit Einzelmaßnahmen kann dem Problem wildernder Katzen nicht begegnet werden“, sagte Claudia Zempel vom Städteverband Schleswig-Holstein. Nur eine flächendeckende Aktion mache Sinn. Modell dafür könnte Nordfriesland sein. Hier wurde bereits 2009 „das Riesenproblem“ erkannt, wie Dr. Dieter Schulze, Leiter des Veterinäramtes des Kreises Nordfriesland, berichtete. „Im ungünstigsten Fall bringt es eine Katze im Jahr auf 35 Welpen.“ Deshalb sei ein Projekt initiiert worden: Zuschuss-Gutscheine zur Kastration und Kennzeichnung weiblicher Katzen – beides zusammen in Höhe von 50 Euro. Finanziert worden sei dies von den Amtsgemeinden mit umgerechnet neun Cent pro Einwohner. Nach der Gebührenordnung kostet die Kastration einer Katze um die 100 bis 120 Euro, die eines Katers ist um die Hälfte günstiger. „Die Aktion wird gut angenommen“, sagte Schulze. „In diesem Jahr geben wir 600 Gutscheine aus.“

Der Kreisveterinär appellierte an die Politiker, als Bundesland eine Pilotrolle einzunehmen. Schleswig-Holstein sei dank seiner natürlichen Grenzen durch die Meere und die Elbe dafür besonders geeignet. Alle freilebenden Katzen sollten verpflichtend kastriert werden. Und wenn Freiwilligkeit nicht fruchtet, dann müsse das Ordnungsrecht greifen. Und wenn das Modell gar nicht funktioniert, müsse über das Einschläfern von Tieren nachgedacht werden.

Der Ausschuss will jetzt die Expertenvorschläge ausloten. Der Vorsitzende Hauke Göttsch (CDU) machte aber klar: „Auch der Tierhalter ist in der Verantwortung – er muss wissen, auf was er sich einlässt, auch bei den Kosten!“

Ein von der Piratenabgeordneten Angelika Beer initiierter Runder Tisch hat gestern einen ersten Schritt beschlossen, die Politik zu begleiten: Eine verbandsübergreifende Internet-Seite soll direkt die Bürger ansprechen. Titel: www.kastration-jetzt.de

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